„Ah, beileib’, es ist ja nit gar weit, nur ein Sprüngerl, und wenn ich mein’ Stock hab’, so bin ich noch recht gut zu Fuß.“
„Mir macht ’s aber gar keine Umständ’, ich hol’ mir’s gern.“
„Nein, ich komm’ hin, ich lass’ mir’s einmal nit nehmen, ich komm’ hin,“ sagte eigensinnig der Alte.
Da rief eine gellende Weiberstimme über den Hof: „Aber Vater!“
„Das ist die Schnur[31],“ sagte der alte Reindorfer. „Also behüt Gott! Sobald tunlich, komm’ ich! Behüt Gott!“ Er griff nach seinem Stocke und trippelte eilig davon.
Der Grasbodenbauer verließ rasch den Hof, bestieg seinen Wagen und fuhr nach dem Gemeindegasthause. Dort saß er in der von Fliegenschwärmen surrenden Gaststube, sah durch deren rückwärtige Tür nach einem Düngerhaufen, auf welchem Hühner scharrten, und durch die vordere auf die Straße, wo ab und zu ein Langendorfer vorbeistapfte und einen „guten Abend“ hereingab. Der Wirt, der beim Schanktische stand, wollte unterhalten sein. „Vetter, was wißt’s Neu’s?“ fragte er und ließ sich nicht so leicht abweisen. „Seid’s ja nit hiesig. Wo Ihr daheim seid, sind wir fremd. Wo seid’s denn her und wie geht’s dort zu?“ Die Wirtin dagegen war ein unterhaltliches Weib; sie saß, mit dem Strickzeug im Schoß, am andern Ende der Stube und schrie herüber, was sie „Hierortiges“ wußte, es war wenig, aber sie hatte die Gabe, viel Worte darüber zu machen. Dem Grasbodenbauer, den das nicht zerstreuen konnte, aber auch nicht seinen Gedanken nachhängen ließ, ward die Zeit und Weile schrecklich lang. Er fühlte das Bedürfnis, etwas unter den Händen und vor Augen zu haben, das seine Aufmerksamkeit erforderte und wo es doch nicht viel verschlug, wenn er auch etwas dabei versah. Ein Spiel, am liebsten eines, das einem warm macht. Er ging nach dem Garten und kegelte mit dem Wirte.
Über all das war eine geraume Zeit verstrichen, als endlich der alte Reindorfer sich einfand. „Nit wahr,“ begann er außer Atem, „da erstaunst dich halt, daß ich so fruhzeitig schon da bin? Ich war aber auch fleißig.“ Er übergab dem Grasbodenbauer einen Brief und ein offenes Blatt. „Da is ’s Schreiben an d’ Leni — wann du so gut sein willst —, und ’s andere mein’ Einwilligung zur Eheschließung meiner Tochter Magdalena Reindorfer von hier, zu Langendorf, mit Kaspar Engert, vulgo Grasbodenbauer, zu Föhrndorf. Der Schulmeister — er is ja auch z’ Gast —, hat mir’s in der G’schwindigkeit aufg’setzt und sagt, es wär’ ganz nach der Vorschrift g’macht. Sei so gut und tu es durchlesen, ich weiß nit, ob ich dem Mann heut trauen darf, er hat allzeit Durst und der Wein is süffig. Nachschau’n schad’t nit.“
Er wartete, bis Kaspar das Papier wieder zusammenfaltete, dann fuhr er fort: „Das also wär’ für eure dortige Pfarr’, was für d’ hiesige nötig sein wird, das besorg’ ich alles; darfst nur schreiben, und ich will schon recht aufhorchen alle dreimal, die es der Pfarrer auf der Kanzel vorbringen wird. So denk’ ich, wär’ alles in Ordnung, und nun sei nit bös, wenn ich jetzt wieder davonlauf’, heim muß ich auch dabei sein, wenn ich gleich nit viel danach frag’.“
Der Grasbodenbauer hielt ihn zurück. „Steig doch in mein’ Wagen, ich fahr’ ja gleich auf der Stell’. Was brauchst denn z’ gehn? Ich bring’ dich heim.“
„Bewahr’, wär’ nit übel! Aber mein’tweg’n, daß d’ siehst, ich gib dir nach; bis wo der Weg nach ’m ‚mittern Graben‘ einbiegt, nimm ich’s an, aber weiter nit, nit weiter!“