Als sie an der bezeichneten Stelle anlangten, verwahrte sich der Alte entschieden gegen das Weiterfahren. „Ich bin eh’ froh,“ sagte er, „daß unser erstes Zusammensein nit aufg’fall’n is, wann s’ mich aber heut ’s zweite Mal mit dir und jetzt gar anfahren kommen sehen, dann setzt’s an der Stell’ Verdrießlichkeiten; die bleib’n mir freilich nit erspart, wenn ich morgen mit der Farb’ h’rausrucken muß, denn der Schulmeister wird plauschen und die Wirtin wird klatschen, aber da streiten wir sich doch wenigstens nüchtern herum. Ja, so steht’s und drum nimm’s für keine Unhöflichkeit, wenn ich aussteig’.“
Kaspar half ihm aus dem Wagen. Sie schüttelten sich die Hände.
„B’hüt Gott, Grasbodenbauer,“ sagte der Alte, „tu mir d’ Leni schön grüßen und Gottes Segen über euch allzwei! Und dein’ klein’ Dirndel sag’, z’ Langendorf wär’ ein alt’ schneeweißes Manderl, das tät’ sich freuen, wenn es ihm gut sein möcht’! Nun, b’hüt euch Gott, z’ tausendmal, allsamt!“
„B’hüt Gott, Vater Reindorfer! Auf Wiedersehen!“
Er dachte an ein frohes, wo der Alte als Brautvater an der Hochzeitstafel sitzen würde. — —
Tages darauf, es war Sonnabend, langte der Grasbodenbauer daheim an und am folgenden Morgen verließ er das Gehöft und schritt breit, inmitten Weges, an den Gruppen der Kirchgänger vorüber, durch Föhrndorf auf Hinterwalden zu; denn diesmal sollten es ja die Leute beachten, daß er nach dem Hof’ auf der weiten Hald’ ging, und wer ihn befragte, erhielt trockenen Bescheid und jeder mochte es weiter sagen, der Lust dazu hatte.
Er brachte dem froh überraschten Mädchen Gruß und Segen, Brief und Einwilligung des Vaters und, was Magdalenen das Liebste, er hatte ihr von demselben zu erzählen und sie merkte wohl, daß sich beide gut waren.
Die Verheiratung ihres Bruders aber, von der in früheren Briefen noch keine Rede war und um die sie nun auch ohne diesen letzten durch Kaspar gewußt hätte, schien auch ihr bedenklich.
22.
Für landläufige Tugend, die alles strenger Aufsicht und natürlicher Scheu oder kaltem Blute verdankt, aber diese Gunst der Umstände sich gerne als Verdienst aufrechnen möchte, mag es wohl recht beschämend sein, wenn abgelebte Leichtfertigkeit, an dem gleichen Ziele angelangt, sich auch als gleichwertig erweist; doch soll das, Hörensagen nach, öfter vorkommen.