Als aber die neue Reindorferin in den Garten kam und der Blumen ansichtig wurde, da stürzte sie herzu. „Jesus, was geschieht denn da mit meinen Blumen?“ schrie sie.
„Es wird derowegen nicht aus sein,“ sagte der Alte, „einen Buschen hab’ ich mir gebunden.“
„Für wen denn, wohl nicht gar für dich selber?“ fragte Sepherl, und als er stille schwieg, fuhr sie fort: „Meinst du, ich durchschau’ dein kindisch Spiel nicht? Schneidet einen Buschen für fremde Leut’, die viele Meilen weit vom Ort sind, die haben keine Freud’ daran und zur Stell’ kann man sich nur darüber ärgern; tun dir denn nicht selber die Blumenbeeten erbarmen? Und wenn auch nicht, so schickt sich doch, daß du früher anfragst, was du darfst, es könnt’ ja sein, daß mir gleich lieber wär’, es fräßen’s die Kühe!“ Damit nahm sie den Strauß und warf ihn über den Gartenzaun, sie wartete nicht ab, was der Alte dazu sagen würde, sondern stürmte nach dem Hofe. Der alte Bauer strich mit zitternden Händen etlichemal über den Tisch, als wollte er ihn rein haben, dann blieb er in Gedanken sitzen, in den Augenwinkeln verspürte er etwas Feuchtes, er drückte den Finger dagegen und wischte mit diesem über die Jacke.
An drei Wochen waren seit diesem Morgen vergangen und die Leni hatte nichts mehr von sich hören lassen, das bekümmerte den Greis; am Ende hatte sie gar nicht geheiratet, oder es trifft sich alles gleich für’n Anfang schlecht, dachte er, und sie meldet sich nun vor Scham und Herzleid nicht.
Dem alten Manne entging das Zunächstliegende, daß zwei Leute, die sich eben glücklich zusammenfanden, nur miteinander beschäftigt seien. Taucht auch ab und zu ein Erinnern an einen fernen Lieben auf, das ihn für einen Augenblick als Zeugen all des Freuens, Treibens und Planens herbeiwünscht, so zieht dies stille Grüßen und leise Wünschen wie ein freundlicher Traum durch die Seele, das Knittern eines Papierblattes scheucht ihn fort, und in dem Hause der Glücklichen, mag es auch sonst sauber und blank gehalten sein, verstaubt das Tintenfaß und rostet die Feder. Der alte Reindorfer aber hätte der Grundlosigkeit seiner Befürchtungen gewiß sein können. Noch spät am Abende des Hochzeitstages wurde eine Postkarte auf dem Reindorfer Hofe abgegeben, der Bote händigte sie der Sepherl ein, die er in der Küche traf. Die Bäuerin las die hingekritzelten Zeilen: Lieber Vater! Heut ist der Tag, du fehlst uns wohl sehr, weil du aber schon nicht kommen kannst, so grüßen wir dich recht schön und ich schreib’ es dir schnell, daß wir eben zum Altar gehen. Magdalena. Kaspar Engert. —
„Ei geht’s zum — wohin ’r wollt,“ schimpfte Sepherl und warf das Blatt in das Herdfeuer.
Etwa acht Tage danach traf eine zweite Postkarte ein und fiel auch der jungen Reindorferin in die Hände. Die neue Grasbodenbäuerin schrieb, wie glücklich und zufrieden sie sei und weiters — wie die Sepherl meinte — „tat sie völlig wie verliebt in den Alten“. Das wär’ dem grad recht! Ins Feuer damit!
So wußte denn der arme Alte freilich um nichts und wurde von seiner Unruhe in Haus und Hof herumgetrieben und allen andern lästig, die sich aus seiner Sorge nicht das geringste machten.
Gerade auf den Tag waren es drei Wochen, als er frühmorgens in die Küche trat, um sein Pfeifchen anzuschmauchen. „Guten Morgen, Sepherl, guten Morgen,“ sagte er.
„Guten Morgen,“ sagte sie.