„Gestern ist wieder der Briefbot’ nicht gekommen, was da nur sein muß, — was da nur sein muß? Ihr tut mir doch nicht etwa die Brief’ verstecken?“
Die Bäuerin zuckte verächtlich die Achsel.
„Ich hätt’ halt doch nach Föhrndorf h’nüber sollen, ja, oder der Leopold hätt’ sich darum annehmen können, es ist ja doch seine Schwester.“
„Der Leopold?“ lachte spöttisch die neue Reindorferin. „Den man nicht einmal geladen hat? Ich denk’, der hat was Gescheiteres zu tun, als unnötig Geld zu verfahren! Ich hätt’ dich ja gerne ziehen lassen, die paar Tage Ruh’ im Haus hätten mir auch wohlgetan, aber darum hat es nicht sein dürfen, weil du uns, verwöhnt, nur noch murriger heimgekommen wärst; die paar Stunden Freundlichkeit, die denen dort leicht ankämen, hätten wir das ganze Jahr über entgelten müssen. Nein, nein. Was anders wär’s — aber da hüten sich die wohl —, wenn sie dich bei sich behalten möchten und wir würden dich für allzeit los; da könntest du heut’ noch gehen.“
„Glaub’s schon,“ sagte der Bauer und fuhr mit einem Zündhölzchen längs der Wand herunter.
„An die Wand sollst nicht streifen, wie oft sag’ ich dir’s schon.“
„Mach Feuer, daß eine Glut ist, so wird mir auch eine Kohle lieber sein. — Ich glaub’s schon, daß du mich gerne vom Hofe hättest, aber ich brauch’ anderswo keinen geschenkten Unterstand, da hab’ ich meinen, das ist mein Recht, zum Hof gehör’ ich, das ist mein Recht und Unterhalt und Pfleg’ heisch’ ich, das ist mein Recht.“
„Das ist mein Recht, — mein Recht — mein Recht“ — spottete die Bäuerin nach und schlug dabei jedesmal mit einem Stücke Holz auf die Herdplatte. „Ah sag’ ja nichts dagegen, ich tu’ nur meinen, wie das schön wär’, wenn dich dein Herzblättel zu sich nähm’ und du dein Recht da dahinter ließest; mein’ Seel’, es käm’ mir nicht darauf an, vor Freud’ gäbe ich dir all meine Spargroschen mit auf den Weg.“
Da sagte der Bauer giftig: „Was kannst du dir in ein halb Jahr und drei Wochen viel erspart haben, ohne deinen Bauer zu betrügen?“
Die Bäuerin wurde im Gesichte glutrot und geriet außer Rand und Band. „Du Krippenmandel,“ schrie sie, „daß ich mich nicht an dir vergreif’! Du unnütz’ Maul auf der Schüssel, du Blumendieb!“