Leopold trat aus der Stube. „Was gibt’s denn schon wieder?“ fragte er.

„Ganz närrisch ist er heut’, der Alte. Nicht genug, daß er daherredet, als ob wir ihm Briefe von der Leni stehlen möchten, er sagt mir auch ganz offen ins Gesicht, daß ich mir wohl unrechterweis’ was beiseite schaff’ —“

„Sie hat angehoben,“ sagte entschuldigend der Alte.

„Und wenn gleich,“ sagte Leopold, „du hättest sollen den Gescheiteren machen und deiner Wege gehen, dazu bist du doch wohl alt genug! Und, daß wir uns darüber nur einmal ausreden, Vater, denn es liegt mir schon lang auf, da hast immer etwas gegen die Sepherl, das taugt nicht, du weißt recht gut, daß Ordnung sein muß auf einer Wirtschaft, zuerst kommt der Bauer, zu zweit’ die Bäuerin und unter denen stehen alle andern ohne Ausnahm’ und ohne Unterschied, davon darf keines aufbegehren, das gäb’ ein übel Beispiel und das darf man nicht leiden. Du bist der Sepherl nicht gut, das kann ich nicht ändern, daß du es aber zu Schau tragst, das muß ich dir verwehren! Du suchst offen mit ihr Streit, du tragst es heimlich unter dem Gesind’ herum, daß dir die Wirtschaft nicht taugt, die Kost zu schlecht ist und die Behandlung nicht ansteht, das ist nicht recht; dafür, daß du kein Fleisch mehr beißen kannst und je älter je krittlicher wirst, kann sie nicht, sie nimmt dir keinen Zahn aus dem Maul und legt dir kein Jahr auf den Rücken; wenn aber auf einer Wirtschaft etwas vorwärts soll, so bleibt keine Zeit, daß man auf eines ganz extra schaut, extra kocht, extra ihm nachfragt und extra mit ihm umgeht. Die Sepherl ist einmal Bäuerin da am Hofe und der ist nicht schlechter bestellt wie unter der Mutter selig, wenn dir nun durchaus die Bäuerin oder die Wirtschaft, eins oder das andere, oder gar alle zwei nicht taugen wollen, so müßt’ ich dir wohl, so leid mir ist, den guten Rat geben, daß du es dir wo anders besser suchen sollst!“

Bedauern und Bekräftigung zugleich, daß er eben sonst nicht auswisse, lag in der Art, wie er beide Schultern hob und die Arme seitwärts warf, erst jetzt, wo er sie wieder sinken ließ und sich abwandte, begegnete er den Blicken des Vaters, denen er während der ganzen Rede geflissentlich ausgewichen war.

Der Alte hatte ihm, solange er sprach, in das Gesicht gestarrt, jetzt ächzte er auf, drehte sich hastig um, tastete nach dem Stocke, der ihm entfallen war, und stürzte über den Hof, hinaus auf die Straße.

Leopold machte eine Bewegung, um ihm zu folgen.

Sepherl hielt ihn zurück. „Laß ihn doch,“ sagte sie leise.

„Du hast ihn nicht angesehen,“ sagte er, „er hat so erbärmlich geschaut wie ein geschossener Hirsch.“

„O mein,“ spottete sie.