Der junge Bauer griff nach einem der eisernen Herdreifen und wog ihn spielend in der Hand. „Mir ist nur,“ sagte er gleichgültig, „daß es kein Gered’ unter den Leuten gibt.“
„Besser einmal ein Gered’ unter den Leuten, als niemal Fried’ im Haus! Freilich, wenn du etwa einen brauchst, der mir auf die Finger schaut, dann eil dich, daß du ihn einholst.“
„Red nicht so dumm. Ich trau’ dir doch?“
„So laß ihn. Meinethalben soll er uns in der ganzen Gegend da herum verklagen, er wird schon sehen, daß ihm niemand recht gibt, und so zahm wiederkommen, wie er wild fortgerannt ist; er bleibt uns nicht aus!“
Indessen ging der Alte die Straße dahin; oft blieb er stehen und wandte den Kopf, bei dem Busche am Wege verhielt er sich ein wenig, dann entschloß er sich, zu rasten. „Das war dumm,“ sagte er, „daß ich so wie ein Wildling davongelaufen bin, das war dumm, nun muß es gewiß der arme Leopold ausbaden, der wird hinter mir her wollen und sie wird es nicht zulassen, aber er wird schon kommen, und mich holen, er wird schon kommen, er erspart mir sicher, daß ich ihm soll auf den Hof gekrochen kommen wie eine verlaufene Katz’; nachher will ich schon auch wieder gute Worte geben. Ja, ja.“
Er blieb lange und er blieb allein, noch einmal sah er nach dem Reindorfer Hofe aus, dessen Schornstein rauchte lustig und das Tor blieb zu, wohl damit niemand Ungebetener zum Frühstück käme. Da griff der alte Mann mit zitternden Händen nach seinem Stocke, half sich auf die Beine und ging dahin, ohne sich weiter umzusehen.
Er bog nach links ein, ließ Langendorf hinter sich liegen und stieg die Höhe hinan, wo das Wirtshaus unter den Tannen stand, dort wollte er etwas zehren; aber ihm fiel ein, daß er kein Geld bei sich habe, und Schulden wollte er keine machen, wer weiß denn, wann und ob er überhaupt wieder in das Dorf zurückkäme?
So setzte er denn seinen Fuß weiter, nur manchmal unterbrach eine kurze Rast seine Wanderung, und er langte endlich müde und erschöpft in dem Orte an, in welchem seine Tochter Elisabeth als Bäuerin hauste.
Er trat in das Häuschen, man führte ihn nach der Stube, wo ihn sogleich eine Schar lärmender Kinder umgab.
„Ei, Vater, was führt dich so zeitlich heut vom Haus’ und zu uns?“ fragte ihn Elisabeth.