„Grüß Gott,“ sagte der Bauer und schlug dem Alten auf die Achsel. „Was hör’ ich von dir für Stückeln? Ausgerannt bist ihnen von daheim? Glaub’s schon. Du hast es ja selber nicht besser haben wollen, wer sich eine Rute auf den Rücken bindet, der muß auch die Schläge ertragen. Nur denk’ nicht daran, uns Ungelegenheiten zu machen, das könnte ich brauchen! Pack auf und mach fort und behüt dich Gott!“

Da rappelte sich der Reindorfer auf und wollte rasch zur Türe nach der Straße hinaus.

„Oho,“ sagte der Bauer und hielt ihn zurück. „Da hinaus geht’s nicht. Im Hof der Wagen, den hab’ ich dir einspannen lassen und der Knecht wird dich bis zum Reindorferhof führen.“

Er geleitete den Alten zu dem Gefährte und half ihm, der sich willenlos in alles ergab, auf das Sitzbrett.

Die Bäuerin stand abseit, als ihrem Vater so hart begegnet wurde, vielleicht geschah ihr leid, aber was ist zu machen? Jeder ist sich selbst der Nächste und verwahrt sich im Leben und Hausstand gegen eine Überlast. „Man kann nicht anders,“ dachte sie, „der Vater wird immer wunderlicher und da muß man ihm wie einem Kinde Ernst zeigen gleich fürs erstemal.“

Als der Wagen dahinfuhr, und alle, unter dem Tore stehend, ihm nachblickten, wandte sich der Bauer an sein Weib und sagte lachend: „Ja, Kinder und Alte müssen parieren!“

Das sagte der Mann vor seinen eigenen Kindern — und er wird auch einmal alt werden!

Der alte Reindorfer aber weinte leise während des Fahrens. „Ich muß wieder zurück — ich muß wieder zurück!“ Ein über das andere Mal führte er den Ärmel gegen die Augen. „Ja, wo anders auch hin? Zu der Leni — zu meinem Herzblättel —, wie sie heut die Bäuerin genannt und mir damit meine Gutheit vorgeworfen hat.“ Er vergaß, daß ja um diese niemand von den Leuten auf dem Hofe wissen konnte. „Ich weiß aber nicht, was mit ihr ist, und sie ist mir zu nichts verpflicht’t, was möcht’ auch ihr Mann dazu sagen? Ich mag mich nicht noch einmal von einem Schwiegersohn ausjagen lassen! Zum Bruder Johann — Jesus, der ist ja gar verstorben — ja freilich wär’ schier gleich das beste, ich träf’ zu ihm!“

Als sie in Langendorf einfuhren, da wurde ihm angst und bange, wenn er bedachte: Jetzt geht es zum Reindorferhof, da wirst du vor dem Tor abgesetzt und die Sepherl steht mit einem breitmächtigen Maul nebenbei und nimmt dich in Empfang.

„Da könnt’ ich nur gleich zum Hund in die Hütte unterkriechen, und sollt’ je einmal einer von uns zwei es besser haben, so wär’ es sicher der Hund!“ Sie waren gerade an dem mittern Graben angelangt, da klopfte er dem Knechte auf die Schulter und sagte: „Halt ein wenig auf, ich muß ein klein bissel absteigen.“