Der alte Mann zeigte das Gesicht, das sie wohl kannte, das letzte.
Sie wäre davongeeilt, so schnell sie ihre Füße getragen hätten, aber diese versagten den Dienst, und so stand sie, wie in den Boden gewurzelt, und preßte die Ballen beider Hände gegen die Augen, um das Gräßliche nicht sehen zu müssen.
Du kannst nicht bleiben, schrie es entsetzt in ihr auf. Du mußt, sagte es ängstlich, es wär’ eine Sünd’, ihn zu verlassen! Dann erinnerte sie sich, wie er vor wenig Minuten in seiner letzten Not, sie wußte es nur zu gut, daß es die letzte war, um sie gesorgt hatte. „Steht mir Gott bei, daß mich kein Anfall hinwirft, so will ich bleiben!“
Sie stand noch eine Weile. Die stürmischen Herz- und Pulsschläge hatten sich mit einmal gesänftigt. Sie biß die Zähne zusammen und ließ entschlossen beide Arme sinken.
Da lag der Sterbende, seine Züge waren nicht entstellt, nur dichte Schweißtropfen standen ihm auf der Stirne und sein Atem ging schwer.
Bleich, aber mit keiner Wimper zuckend, trat sie ganz nahe an das Sterbelager heran.
„Willst was, Ehnl?“
Keine Antwort.
Sie trocknete ihm mit ihrer Schürze die Stirne. „Ehnl, soll ich dir was?“
Vergebens, er hörte sie wohl nicht. Aber in seinem Gesichte zeigte sich eine Unruhe, in der Art, wie er manchmal, wie suchend, den Kopf drehte, lag eine hilflose Ungeduld; es sah aus, als horche er nach etwas und nur nach dem. So hatte Burgerl einmal eine blinde Bettlerin inmitten des Straßenlärmes nach ihrem Kinde horchen und sich zu ihm hinfinden sehen.