Sie beugte sich rasch hinab zu seinem Ohre und sagte laut: „Ich hol’ die Mutter, — die Leni!“
Da wich die ängstliche Spannung in dem Gesichte des Sterbenden.
Burgerl eilte fort. Sie ließ die Türe hinter sich offen stehen, unten vom Flur rief sie in die Küche hinein: „G’schwind, Sepherl, hinauf in die Stuben! Der Ehnl liegt in Zügen. Er kann nit versterben, er wartet auf die Mutter!“
Dann rannte sie über den Hof, hinaus in das freie Feld, sie brauchte nicht lange zu rufen, sie brauchte auch keinen Bescheid zu sagen, ihr Schrei klang so erregt, ihr Aussehen war so verstört, daß Kaspar und Leni eilig herzugestürzt kamen und, ohne Frage, des Leidesten gewiß waren.
Burgerl lief hinter den Voraneilenden her, eh’ sie ihnen aber die Treppe hinanfolgte, nahm sie aus der Küche die Essigflasche mit. „Es könnt’ sein, daß der Mutter schwach würd’.“
Oben war Leni vor dem Bette in die Kniee gesunken und hatte nach der Hand des Schweratmenden gefaßt, diese suchte unsicher herum, erst als das weinende Weib sie sich selbst auf den Scheitel gelegt hatte, ruhte sie, wie an ihrem Ziele.
Plötzlich sagte der Sterbende mit knabenhaft heller Stimme: „Leg’ mich geg’n d’ Wand.“
Leni erhob sich, sie drückte einen Kuß auf seine Stirne, dann schlang sie sorglich beide Arme um ihn und tat, wie er geheißen.
Es war ein einziger Blick, den Burgerl, vom Fußende des Bettes, ihrem Vater zuwarf, der diesen veranlaßte, hinzuzuspringen. Er fing das zusammenbrechende Weib in seinen Armen auf.
Er setzte die Bewußtlose auf einen Stuhl. Burgerl drängte ihn weg. „Laß mich, Vater.“ Sie begann Lenis Stirne und Schläfen mit Essig zu waschen. „Sie wär’ die Nächste dazu,“ sagte sie unterdem, „ihm die Augen zuzudrücken, man darf aber damit nit warten, heißt es, so will ich es an ihrer Stell’ tun. Willst so gut sein, Vater, und ’n armen Ehnl wieder herüberlegen.“