Der Bauer legte den Toten zurecht. „Er hat die Augen ohnehin fest zu. Er liegt, wie schlafend.“

Als Kaspar vom Bette zurücktrat, ging Sepherl hinzu und faltete die Hände des Erkalteten.

Leni kam wieder zu sich, sie hielt Burgerl, die ihr mit Tränen in den Augen um den Hals gefallen war, vor sich auf dem Schoße und so, enge aneinander geschmiegt, schluchzten beide, bis Kaspar bekümmert herzutrat und das Weib über das Köpfchen seines Kindes hinweg ihm die behende Hand reichte. Burgerl hauchte in die Schürze und trocknete der Mutter die Augen, dann wies sie nach dem Bette. „Er schlaft, der Ehnl, schau, wie er schlaft.“

Sie führte Leni, die sich wie ein Kind leiten ließ, einige Schritte gegen das Sterbelager, da knieten beide nieder und sprachen halblaut ein Gebet, und als das Amen verhallt war, erhob sich Burgerl und sagte: „Vater, jetzt führ’ d’ Mutter hinweg.“

„Ich kann nit fort,“ widersprach diese.

„Du kannst ihn ja noch sehen, später,“ tröstete Burgerl und half ihr vom Boden auf.

Die Bäuerin stand unschlüssig. „Wer wird bei ihm wachen?“ fragte sie leise.

„Ich und die Sepherl,“ gab Burgerl entschieden zur Antwort.

„Komm, komm, mein arm’s Weib,“ drängte Kaspar, „laß uns gehen.“ Und sie folgte ihm aus der Stube. An der Schwelle blickte sie noch einmal feuchten Auges zurück und als Burgerl die Türe schloß, da sank sie an die Brust des Mannes und stöhnte: „O, Kaspar! Wie weh das tut! Wenn ich ihn nur einen einzigen Tag länger behalten hätt’! — Grad jetzt, wo er’s hätt’ guthaben können!“

Und da fand Kaspar das erlösende Wort, das den wilden Krampf brechen und dem Schmerze seine Heiligkeit wahren sollte. Er holte es aus dem eigenen Herzen herauf. „Schau, Leni,“ sagte er weich, „wieviel härter wär’s, wenn der alte Mann nit g’wußt hätt’, wie wir’s mit ihm meinen, so hat sich’s noch rechtzeit’ g’schickt, daß er davon erfahrt, das war sein letzt’s Erlebt’s, sein letztes Freuen und in dem is er hinüber.“ — — —