Der Müller sank mit einem tiefen Seufzer zurück.
Der Notar aber atmete erleichtert auf, als er mit dem unterfertigten Dokumente zu dem Tischchen trat.
„Ich bitte, Hochwürden, als Zeuge.“ Er präsentierte dem Pfarrer die Feder. Dann wies er dem Kleehuber die Stelle, wohin derselbe seinen Namen zu schreiben hatte.
Der Mann besann sich lange, nicht wie er heiße, sondern auf das Aussehen jedes einzelnen Buchstabens, den er bei der Namensfertigung anzubringen hatte. Zuletzt schrieb der Knecht.
Vom Bette her klang es flüsternd: „Die Blumen, die gar vielen Blumen, die sie mir hergebracht haben.“
Der Notar und die Zeugen traten von dem Tische zurück und wandten sich nach dem Sterbenden. Die langgestreckte Gestalt mit den verfallenen Zügen, die dort im Bette lag, leise vor sich hinflüsternd und mit den eigenen Fingern spielend wie ein Kind, das war nicht mehr der Müller Herlinger. Wer sonst? Niemand. Das war das, was einst war, als wir uns noch nicht fühlten, das nämliche, das sich schon einmal ohne uns behalf, als es rege an unserem Bewußtsein baute, und das, wenn uns dasselbe verläßt, sich zum letzten an den angesammelten Erinnerungen schreckt oder erfreut, das nämliche, das die Kinder weinen oder lachen macht, und das auch den Sterbenden als letzten Gruß eine Träne oder ein Lächeln mit auf den Weg gibt.
Ein schwerer Atemzug hob die Bettdecke, — es war der letzte. Vor den Anwesenden lag eine Leiche. Der Pfarrer war gerade darauf bedacht, das Gesinde zusammenzurufen und an derselben ein kurzes Gebet sprechen zu lassen, als sich die Türe öffnete und Florian Weninger eintrat.
Der Urlauber behielt den Drücker in der Hand und sagte kurz: „Guten Tag! da bin ich. Nun, was ist’s, darf die Lois[6] mit dem Buben jetzt kommen? Sonst geh’ ich lieber gleich!“
Der Priester aber trat rasch auf ihn zu, führte ihn vor den Toten und drückte ihn dort an der Hand auf die Kniee nieder: „Da sieh, spare vorlautes Reden und bete für ihn, — er hat sterbend deiner als Vater gedacht und dir die Mühle hinterlassen!“
Der Mensch sah verwirrt zu den Umstehenden auf, dann blickte er in das stille bleiche Antlitz vor ihm, drückte beide Hände an die Brust und sagte mit liebender Stimme: „Ich hätt’ ihn doch noch gerne getroffen, daß ich ihm dafür hätt’ danken können!“