Sie hoffte wohl, daß sie wieder einen Hund bekommen würden, der auch mit ihr so gut sein würde; sie bekamen auch ein paar Tage darauf einen, aber der war nur brummig und bissig und wollte nicht mit sich reden lassen.

Daher war es ihr ganz recht, als es plötzlich hieß, daß sie in die Schule müsse. Als die Mutter sie hinbrachte, da stand sie freilich ganz eingeschüchtert an der Türe, der vielen Kinder wegen; daß es so viele gäbe, hatte sie sich nie denken können, wo die nur alle her waren? Und als sie nun mitten unter ihnen auf der ersten Bank sitzen mußte wie alle ganz Kleinen, Neuen, dem Schulmeister unter den Augen, da getraute sie sich kaum aufzusehen; aber sie wagte es doch und sah erst ganz verstohlen die neben ihr sitzenden Mädchen an, dann sah sie auch hinüber zu den Buben, die auf der anderen Seite saßen, und da lachte einer auf sie herüber und das war Müllers Florian, und nun hatte sie doch einen Bekannten und da war es gleich ganz schön in der Schule.

Als die Schulstunde vorüber war, da wartete der Flori und ging auf sie zu.

„Du bist die Reindorfer Leni,“ sagte er.

Das Mädchen lachte.

„Das ist gescheit, daß sie dich auch in die Schule geschickt haben,“ sagte der Knabe.

Und dann gingen sie plaudernd einen Weg nebeneinander her bis zum Reindorferhof.

So gingen sie denn eine Zeit Tag für Tag miteinander nach und aus der Schule. Aber bald sollte ihre Eintracht gestört werden. Das Mädchen hielt sich plötzlich fern von dem Knaben, entweder war es schon weit voran, wenn er aus dem Schulzimmer kam, und lief dann vor ihm her, nicht einzuholen, oder es blieb zurück und schlich hinterdrein und mochte er noch so langsam gehen.

Als sie einst wieder hinter ihm des Weges kam, da versteckte er sich, wo der Weg überbog im Gesträuche, und als die Leni nahe war, sprang er hervor und faßte sie an der Hand.

„Jetzt halt’ ich dich,“ sagte er, „sag, hab’ ich dir etwas getan, daß dir nimmer willst mit mir gehen?“