„Mein Vater hat gesagt, er schlägt mich, wenn ich mit dir gehe.“
„Dein Vater ist recht grob.“
Beide Kinder überlegten stille.
Ein Ausgleich lag freilich nahe, aber da Florian selbst jede körperliche Züchtigung innig verabscheute, so getraute er sich nicht, der Leni den Vorschlag zu machen, sie solle sich nur schlagen lassen, so könnten sie immer miteinander gehen wie früher.
Aber wenn sie der grobe Reindorfer gar nicht auf dem Wege sah, dann konnte er auch keines von ihnen schlagen, und es lag eine Heimlichkeit darin, von der alle Leute im ganzen Dorfe nichts wußten, und nur sie allein.
Das lockte, und wie viel pfiffiger kamen sie sich dabei vor, als alle die großen Leute.
Bis zu dem Busche, wo sie jetzt standen, war die Straße für sie sicher, erst wenn sie denselben hinter sich hatten, konnte man sie vom Reindorferhofe aus sehen, so wurde denn ausgemacht, dort solle des Morgens immer eines auf das andere warten, und auf dem Rückwege wollten sie auch nur bis dahin miteinander gehen, dann blieb eines zurück und kam erst viel, viel später des Weges daher.
Ja, verbiete nur einer etwas!
Die Reindorfer Leni war überhaupt ein pfiffiges Kind, das sagte auch der Schulmeister, und er lobte sie oft vor allen andern Kindern, und wenn dies gerade vorgekommen war, dann nahm sie auch zu Hause Fibel oder Rechentafel an sich, schlich hinter dem alten Reindorfer her, und wenn er sich in der Scheuer oder im Garten über einer Arbeit verhielt, setzte sie sich in seiner Nähe nieder und las oder rechnete laut, damit sie auch der Vater loben möchte.
Das erstemal, wo sie der Bauer gar nicht in der Nähe wußte, fuhr er unwillig auf, als aber das Kind vor Bestürzung auf dem Flecke sitzen blieb und über die bittere Enttäuschung leise schluchzte, da besann er sich, daß es ihm wohl eine Freude habe machen wollen. „Nur nicht unchristlich, unchristlich darf man nicht sein,“ sagte er vor sich hin, und dann zur kleinen Leni: „Mach nur weiter fort! Hast schon recht, lerne nur fleißig, damit du ehrlich durch die Welt kommst, weil du einmal darin bist! Nun, les’ nur weiter, du Blondköpfel!“