Da zuckte der alte Reindorfer die Achseln. „Du hast wohl heute über den Durst getrunken; schlaf vorehe deinen Rausch aus und komm mir dann nüchtern wieder.“ Damit ging er von seinem Sohne.
Als am andern Tage der junge Reindorfer wieder in das Häuschen der alten Melzerin trat, und die Josepha sagte, er käme ihr ganz anders vor, als den Abend vorher, da war ihm leicht abzufragen, was ihm mit seinem Vater begegnet war, und wie dieser durchaus gegen die geplante Heirat sei.
Es wurde aber dem Leopold zugeredet, er möge sich, wenn er die Josepha wirklich gern hätte, doch von dem ersten, widrigen Erfolge nicht abschrecken lassen, auf einen Streich fälle man ja keinen Baum, und er solle nur seinem Vater beharrlich wegen der Sache anliegen, der werde es endlich doch müde werden, sich dagegen zu setzen, wenn er sehen würde, wie wenig ihm das eigentlich nütze. Ernst könne ja seine Drohung mit dem Verstoßen und Enterben doch nicht gemeint sein, denn man wisse ja, wie er Leopold, als seinen einzigen Sohn, lieb hätte, und mit Recht, denn Leopold wäre auch ein Bursche, der es verdient, auf den seine Eltern stolz sein könnten, denn ihn hätten ja auch alle Leute lieb. Freilich waren von den gesamten Leuten nur die alte Melzerin und deren Tochter anwesend.
Von da an begann die Entfremdung zwischen Vater und Sohn, von da an wechselten fortwährend Bitten und Abweise, Vorwürfe und Anklagen, Bestürmungen und Drohungen, von da an lauerte und hoffte Leopold auf irgendein Begebnis, das er nützen könne oder das ihm Nutzen brächte, wodurch sich alles ändere, und geschähe das durch eine schwache Stunde seines Vaters oder durch seine letzte!
„Man hat auch sein Kreuz mit einem Burschen, der weiberscheu ist,“ seufzte der Alte, „versteht sich einer nicht auf den Fang, wird er leicht selber gefangen!“
Vorläufig dachte er daran, sich Ruhe zu schaffen und Zeit zu gewinnen. Und so fragte er denn eines Tages, als Leopold wieder beteuerte, von seiner Sepherl nicht lassen zu können: „Schau, was hilft jetzt alles Herumreden, die Ernte ist vorüber und die Einberufung zur Waffenübung vor der Türe. Vorher läßt sich ja doch nichts vereinbaren und abtun, zu was wollen wir es also Rede haben und uns Tag für Tag darum zertragen? Kommst du wieder heim und hast deinen Sinn nicht geändert, ist noch Zeit genug, daß man darüber redet.“
Da der junge Reindorfer sich nicht hinter seine Mutter stecken konnte, welche in dem Punkte ganz einer Meinung mit dem Alten war, so sah er selbst ein, daß sich vor seiner Wiederkehr nichts werde richten lassen, er beschloß bis dahin keine unnützen Worte zu machen, sondern erst dann, durch seinen unveränderten Entschluß, dem Vater zu zeigen, daß er einen Buben habe, der auf dem besteht, was er sich einmal in den Kopf setzt, und daß es da wohl heißt, als der Klügere, nachgeben.
Dieser stillschweigend eingegangene Waffenstillstand auf dem Reindorferhofe genoß zwar nicht die Billigung der Inwohner des kleinen baufälligsten Häuschens im Orte, denn er rückte das erwünschte Ziel wieder um eine Spanne Zeit hinaus, aber, wie bedenklich auch die alte Melzerin tun mochte, Josepha sorgte nicht, sie war ihres Leopold zu sicher.
Als der Tag kam, an dem die Reservisten nach dem Orte der Einberufung abziehen mußten, da gab Josepha dem jungen Reindorfer eine Strecke Weges das Geleit, und als sie mit verweinten Augen zu ihrer Mutter zurückkehrte, da stellte sich diese mit gefalteten Händen vor sie und sagte: „Dirn’, um Gottes willen, nur diesmal verhalte dich gescheit!“