Leopold kehrte sich schweigend ab und ging davon.
Die Dirne aber schob auch den Burschen zur Türe hinaus. „Mache fort, daß er dich doch auch fortgehen sieht.“
Sie kehrte in die Stube zurück. „Gut, daß die Mutter nichts davon weiß! Ich meine, er kommt doch wieder!“ —
Es war gerade keine herzliche Begrüßung, welche darauf zwischen dem Vater und dem heimgekehrten Sohne auf dem Reindorferhofe stattfand, aber der Alte steckte den Vorwurf des Burschen, daß er ihn durch sein Zuwarten und Abreden um die Dirne gebracht habe, welche sich jetzt an einen andern halte, ruhig ein und wünschte nur, es möchte damit sein Abkommen haben.
Acht Tage hatte Leopold diese Angelegenheit nicht weiter berührt, nur blieb er mürrisch und verdrossen. Wenn es im Hause nichts mehr zu tun gab, dann ging er über die Felder, immer jene Wege, die er früher mit Josepha gegangen, und da traf es sich denn, daß ihm diese zufällig auf einem schmalen Steige begegnete, wo an ein Ausweichen nicht zu denken war.
Der junge Reindorfer blickte erst auf, als sie vor ihm stand, er drückte seinen Hut tiefer in die Stirne und wollte an ihr vorbei, sie aber faßte nach seiner Hand und hielt ihn daran fest.
„Ich weiß nicht, was du hast,“ sagte sie, „seit du den dummen Krämer Alois bei mir getroffen, gerade, als ob etwas Unrechtes zwischen mir und dem vorgegangen wär’! Halte es wie du willst, bleibe meinetwegen weg von unserer Hütte und von mir, aber daß du Übles denkst, das leide ich nicht!“
„Ich meine, es war nicht unrecht gedacht und nicht unbillig gefordert, daß du es mir nicht hättest antun sollen, daß ich einen andern bei dir treffe.“
„Wessen ist denn die Schuld? Bin ich nicht ein armes Dirndl, das sich viel gefallen lassen muß in der Welt? Hab’ ich dir nicht gesagt gleich zu Anfang, wie wir Bekanntschaft gemacht haben, daß ich es den Burschen nicht verwehren kann, daß sie mich für schön halten, und daß ich mich oft genug vor ihren Nachstellungen hab’ hüten müssen? Und du hast gesagt, daraus machtest du dir nichts, und du möchtest nicht einmal eine, die dir jeder ohne Neid vergönnte. Wenn ich nichts Gewisses weiß, kann ich daraufhin die andern Bursche vor den Kopf stoßen? Wenn du keinen Ernst zeigen willst, kannst du etwas dagegen sagen, wenn jeder meint, mir zu gefallen könne er mit demselben Rechte versuchen, wie du? Bin ich deine Bäuerin, dann brauchst du dir derlei nicht gefallen lassen, und dann weiß auch ich, was ich zu tun habe!“
„Und daß du dich verhalten sollst gerade so, als wärst du schon meine Bäuerin, das war meine Meinung! Hab’ ich dir nicht gesagt, wenn ich wiederkomme, so mach’ ich alles richtig? Hast du so wenig Vertrauen?“