„Mehr schon als du, und mehr als zuträglich ist, das hat sich da wieder gewiesen! Meinst du, was du mir sagst und was ich dir glaube, das wissen und glauben auch die Leute? Die neidige Brut mißgönnt es mir ohnehin, hätte ich ihnen davon geredet, sie hätten gemeint, es wäre nur geprahlt, und ausgelacht wäre ich worden. So hab’ ich zuwarten wollen, bis ich sie mit der Nase darauf stoßen kann, daß du es ehrlich meinst und jetzt — jetzt mögen sie nur spotten, jetzt habe ich es davon, daß ich dir mehr vertraut habe als du mir!“ Sie führte ihre Schürze an die Augen.
Der junge Reindorfer stand verlegen. „Aber“, sagte er nach einer Weile, „es war auch nicht not, daß du dich von dem dummen Krämerbuben hast um den Leib fassen lassen.“
Josepha zog die Schürze vom Gesichte und lachte: „Geh zu, weil du ihn etwa zu fürchten hast? Keinen von allen im ganzen Ort, wie sie da sind, sag’ ich dir; wenn du es nur ehrlich meinst, da gilt mir keiner soviel!“ — Sie schlug ein Schnippchen. — „Möcht’ auch wissen, wer einem lieber sein könnte wie du!?“
Das war Balsam auf die Wunde.
Leopold kam ziemlich spät heim und erklärte seinem erstaunten Vater, daß wieder alles zwischen ihm und der Josepha auf gleich gekommen sei und nun überlege er nicht länger, er wolle sie doch nehmen und der alte Reindorfer möge daher auch ein Einsehen haben.
Der Alte unterdrückte einen schweren Fluch, erhob sich, von wo er saß und sagte: „Es wär’ unchristlich, wenn ich in der ersten Hitze sagen möchte, tu in drei Teufels Namen wie du willst und verrenne dich in Schandhaftigkeit und Verderben; denn du bist mein einziger, leiblicher Sohn! So sag’ ich dir nur, was dich vorläufig von deinem Gedanken abbringen könnte, wenn du den Verstand dafür hast, es sind einmal jetzt so leidige Soldatenzeiten, aus der Reserve wärest du, zwei Jahr’ noch bist in der Landwehr, verspar dir das Heiraten, bis du ganz frei bist.“
„So, zwei Jahr’ sollt’ ich warten,“ schrie der Sohn, „sag es nur lieber gleich frei heraus, du erhoffst, ich besinne mich mittlerweile anders?“
„Das hoff’ ich zu Gott, und es wäre nicht zu deinem Schaden.“
„Das gilt nicht, darüber reden wir noch!“
„So? Aber dann, heut nimmer! Gute Nacht!“