Die Reindorferin hatte daneben gesessen, jetzt stand sie auf und folgte dem Bauer, vor Leopold aber hielt sie an und sagte: „Du solltest doch den Vater nicht so erzürnen wegen der leichten Dirn’.“

„Da schlag das Wetter darein! Was die Leute nicht alles wissen! Leicht wäre die Josepha? Weißt, Mutter, am End’ ist sie just so schwer wie du oder ein anderes Bauernweib, nur daß man halt euer Gewicht nicht kennt!“

Die Reindorferin ging ohne ein Wort zu sagen.

Nun war es wieder, wie es gewesen war, bevor der Leopold einrückte, ein Leben voll Unfriede und Unzufriedenheit, wohl gaben die Leute dem alten Reindorfer recht, aber Leopold gab nichts auf die Leute, bei jeder schicklichen oder unschicklichen Gelegenheit legte er ein Wort für sich und Josepha ein. Wenn dem Alten bei irgendeiner Arbeit die Kraft versagte, und es ihm nicht mehr so wie früher von der Hand gehen wollte, so sagte der Bursche: „Da sieht man, wie alte Leute eigensinnig sind, selber können sie es nicht mehr richten, aber sich zur Ruhe setzen und jüngere anfassen lassen, das wollen sie nicht!“ Oder wenn der Bauer einen Tag wegen Unwohlsein das Bett hüten mußte, sagte Leopold: „Ruhe und Pflege tät’ dir not, aber du willst ja nicht!“ Dem widersprach aber immer der alte Reindorfer und meinte, die Hände, worauf es abgesehen sei, wären ihm zu unsauber, um sie an das Seine fassen zu lassen, und mit der Ruh’ und Pflege würde es nicht weither sein, käme die Sippe auf den Hof.

Ein Wort gab das andere, keifend und zänkisch, wie sie nun geworden war, mengte sich auch die Bäuerin darein, der Streit artete aus und roh ging es oft auf dem Reindorferhofe her.

Der Magdalene zitterte oft das Herz im Leibe, wenn sie derlei mit anhören mußte. Aber wenn sich der rohe Bursche und die heftige Mutter müde gestritten hatten und einsehen mochten, daß sie einander nicht gewachsen seien, dann suchten sich beide einen schwächeren Teil, den sie es empfinden lassen konnten, daß ihre Worte doch zählten, und dazu war ihnen Magdalena eben recht.

Nur der alte Reindorfer brach den Streit immer ab, wie das erste ungehörige Wort fiel, sagte noch einmal kurz seine Willensmeinung und dann keine Silbe weiter.

Und wenn nun das Mädchen von dem mürrischen Bruder und der mißlaunigen Mutter ohne Anlaß gescholten und gedrangsalt wurde, da war ihr der Vater ein wahrer Trost und ein leuchtendes Beispiel, denn auch er war ja im Rechte und ließ doch soviel Unbill über sich ergehen, und er war doch besser als die andern, gewiß, und darum konnte er auch klüger sein; da erfaßte sie eine innige Zuneigung zu dem ruhigen alten Manne, der ja auch der einzige war, der nichts wider sie hatte und der sich immer gleich blieb.

Ja, der sich immer gleich blieb! Jetzt, wo sie aufgehört hatte ein Kind zu sein, wo sie sich fühlte, wo sie es gerne jemand anvertraut hätte, wie sie denke und empfinde, damit sie auch hören könnte, sie dächte recht und schicklich, jetzt merkte sie erst, daß der Vater auch gegen sie sich immer gleichgeblieben war!

Da geschah es an einem Sonntage, daß der alte Reindorfer eines bösen Fußes wegen die Kirche nicht besuchte, alle wollten in den Gottesdienst gehen, das Gehöft wäre unter der Aufsicht des kranken, hilflosen Mannes verblieben, aber Magdalene erklärte, sie bleibe gerne bei dem Vater daheim.