„Gewiß. Und nun behüt dich Gott! Nur eines, sag mir dann auch, wenn du es mittlerweile erfährst, wieviel Blüh so ein Weißdorn hat.“
Lachend verschwand sie hinter den Tannen.
Magdalena sah ihr nach. „Die ist auch dem Teuxel aus der Butte gesprungen[10] und hat kein Bein dabei gebrochen!“ Sie lächelte und ärgerte sich im stillen, daß sie sich über das neckende Gerede hatte ärgern können. Warum mußte sie es auch gleich übelnehmen? Es konnte doch jemand denselben Weg haben und ohne Arg hinter ihnen hergehen? Was brauchte sie zu fürchten, oder verlegen zu sein, selbst wenn es ein Bursche wäre, der sie anspräche? Gute Nacht auf den Weg! Damit ist alles abgetan. Wer es aber wohl sein mochte? Sie wandte sich um, aber nun hatte sie die Sonne im Gesichte, sie trat unter den schützenden Schatten eines vorhängenden Strauches, setzte sich in das Gras und blickte von dort nach dem Weißdorn. Da trat der Bursche davon weg und kam auf sie zu. Es war der Müller Florian.
Sie sah betroffen vor sich nieder, die hohen Grashalme strichen an ihrem Gewande hinauf und wiegten bedächtig die Köpfe.
„Grüß Gott, Reindorfer Leni!“ sagte der Bursche.
„Grüß Gott,“ sagte sie.
„Ich hab’ nur gewartet, bis die Schnattergans von dir weggegangen ist. Wieder einmal hab’ ich mit dir reden wollen.“
„Es ist lang her, daß wir uns nicht gesehen haben,“ sagte, unbefangen aufblickend, das Mädchen.
„Das möcht’ ich gerade nicht sagen, obwohl du für dein Teil auch darin recht hast. Gesehen hab’ ich dich oft genug in der Kirche, aber du hast von deinem Gebetbuche nicht aufgeblickt. Darüber hab’ ich mir zuerst eingebildet, daß du mir vielleicht böse bist.“
„Warum sollt’ ich das sein?“