„Dazu lachst du?“ fragte bestürzt der Bursche.

„Weil du dich so viel gut auf das Schönheitensagen verstehst! Ich bedank’ mich schön für die Ehr’, dein lausig’ Rosenstöckl zu sein!“

„Kreuzsakra, das ging gefehlt,“ sagte Florian, dann lachte auch er. „Hast recht, ich versteh’ mich auch nicht darauf und es ist mir recht lieb, daß du nicht, wie die anderen Dirnen, einen Wert darauf legst. Sauer ist’s mich genug angekommen, aber dir zulieb tät’ ich ja alles! Herzfroh bin ich, daß wir fein gerade und vernünftig reden können.“

„Ja, lassen wir die Dummheiten sein, Flori. Die und die anderen auch! Gezeigt hätt’ ich dir, meine ich, daß ich dir nicht unfreundlicher bin als den andern; mehr, hast du gesagt, tätest du ja auch nicht verlangen, also bleib dabei.“

„Beinah’ meine ich aber doch, es wird mir zu wenig sein. Schau, Leni, auf die Eltern hören ist immer brav, und ich wär’ der letzte, der dich davon abreden möcht’. Aber was sie den Kindern schaffen, soll doch Hand und Fuß haben, und nicht aus purem Eigensinn geschehen. Wenn du mit gar keinem Burschen solltest reden dürfen, dächt’ ich, es ist übertrieben, aber noch wär’ Sinn und Verstand dabei, — aber nur mit mir nicht! Was macht mich schlechter als die andern, die da herumlaufen? Ich darf mich wohl für so gut halten wie die, und es wär’ mir leid um mich selber, wenn ich nicht besser sein möcht’ wie manche darunter! Ich weiß, darüber kannst du selbst nicht anders denken.“

„Nun ja, wie kann ich wissen, was meine Leute gegen dich haben?“

„Ich frag’ aber, was können sie gegen mich haben? Wird was Rechtes sein! Meinst du, wenn es einen ordentlichen Hauptgrund hätte, sie würden ihn dir nicht sagen, damit sie ganz sicher gingen? Gewiß. Eben, weil sie nichts vorzubringen wissen, ist es nichts als Eigensinn, wie oft bei alten Leuten. So gut, wie ich es weiß, werden sie es auch wissen, daß auf dich als aufrechte Dirn’ ein Verlaß ist! Du kannst jedem ein zutunlich Wesen verleiden, aber du kannst keinem auf eine ehrliche Meinung die ehrliche Antwort schuldig bleiben! Nun frag’ ich, kann ich dir denn etwas anderes sagen wie die Bursche, mit denen dir doch zu reden erlaubt ist? Ich wüßte nicht und bedank’ mich recht schön für die Ausnahme! Deine Eltern müssen rein glauben, daß dich mein bloßer Atem umbringen könnte, als ob ich ein vergiftet Tier wär’, so ein Basilikum, oder wie es heißt, du hast vielleicht davon gehört!“

„Nein, ich weiß wirklich nicht, was meine Leute sich einbilden, daß du für ein Tier bist.“

„Heut ist mit dir kein vernünftig Wort zu reden. Ich glaub’, die Halbscheid von der Kleehuber Franzl ihren Possen ist in dir steckengeblieben. Und es tut mir weh, daß du mit so ernsten Sachen deinen Spaß treiben magst. So aber — tröst’ ich mich — ist nur heute! Du hast ein nachdenklich Wesen und es kann nicht ausbleiben, so wirst du merken, daß nicht nur mir, daß uns allen beiden hellauf unrecht geschieht, und daß gerad’ wir zwei die Welt überweisen könnten, daß Sünd’ und Schad’ wär’, uns auseinander zu halten, da wir doch ihr zeigen könnten, was ein rechter Zusammenhalt in Zucht und Ehr’ vermag. Heut will ich dir nicht weiter davon vorreden, was dir aus dem Munde kommt, kommt dir wohl gar nicht aus dem Kopf und Herzen und du spaßest vielleicht nur, weil dir die Sache selber gar ernst vorkommt; Weibsleute, die auf die erste Rede gleich ja oder nein wissen, meine ich selber, sind unüberlegt oder zu gut erfahren; die auf sich halten, mögen gerne derlei überschlafen. Morgen, wenn schön Wetter ist, Vollmond tät freilich im Kalender stehen, komm’ ich wieder daher, find’ ich dich, sollte es mir lieb sein, ich hätte dir viel zu sagen von dem, was du heute nicht hören willst, weil es das erstemal ist, weil es unerlaubt sein soll, und weil du selbst noch nicht weißt, wie du recht tun sollst. Überleg es. Find’ ich dich nicht, dann will ich mich auch darein schicken, obwohl mir ein wahrer Trost wäre, mich dir gegenüber wenigstens ausgeredet zu haben, und Rede bindet ja keines. Ich erwarte nicht, daß du jetzt ja oder nein darauf sagen wirst, man kann sich nichts vornehmen, bevor man überlegt hat. Morgen, wenn Vollmond sein wird, komm’ ich wieder her. Jetzt vieltausend gute Nacht, Leni!“

„Gute Nacht!“