Sie sagte nicht ja und nicht nein, langsam ging sie den Fußsteig hinab nach der Straße, die aufdringlichen Gräser streiften ihre Füße, häkelten sich mit den Fruchtsporen in die Maschen ihrer Strümpfe, als wollten sie das Mädchen aus seinen Träumen erwecken.
Die Sonne stand schon hinter dem Wäldchen gegenüber.
Gewiß der Florian konnte es nicht anders meinen als ehrlich, und ihre Eltern taten dem armen Burschen unrecht!
Als die Sonne den nächsten Tag zur Rüste gegangen war, da kam der Vollmond den unbewölkten Himmel herauf, er tat es aber nicht einem Burschen zu Gefallen, der so sehnsüchtig auf seinen Aufgang wartete, er übernahm auch keine Verantwortung dafür, daß nach vielem Schwanken ein Mädchen sein Erscheinen, wie ein Glücksspiel, darüber entscheiden lassen wollte, ob sie zu dem Wäldchen hinansteigen solle oder nicht; von all dem wußte er wohl gar nichts und so zeigte er unbefangen den beiden sein freundlichstes Gesicht und das nahmen sie für eine gute Vorbedeutung.
Der Bursche stand schon eine geraume Weile unter den Tannen, deren weiße Stämme im Mondenlichte silbern gleißten, eine laue Luft fächelte seine geröteten Wangen und trug den Duft von den Gräsern, den blühenden Büschen und den harzigen Tannen durch die stille Nacht.
Da hörte er unten an der Straße ein Tor öffnen und wieder zuwerfen, in dem Schatten des Hauses, der über dem Fahrwege lag, huschte es dahin, und auf dem Wiesensteige trat es in das glänzende Licht, es war ihm das herzliebste Dirndel auf der Welt, das da mit blütweißen Ärmeln und fliegendem Röckchen daherkam.
Aber so leicht sollte ihr das nicht werden, das Gras war aufdringlicher als je, Abendtau war gefallen, die Halme näßten ihr die Füßchen, ballten sich unter ihrem Tritte zusammen und machten sie straucheln, selbst der Weißdorn langte nach ihrem Kleide und suchte sie zurückzuhalten, ganz oben am Wäldchen erschreckte sie noch ein Nachtvogel, der mit leisem Fluge ihr über dem Kopfe hinstrich.
„Grüß dich Gott, Leni,“ sagte der Bursche zu ihr tretend und bot ihr die Hand. „Ich vermöcht’ dir nicht zu sagen, wie mich dein Kommen freut.“
„Grüß dich Gott, Flori,“ sagte rasch atmend Magdalena. „Ich weiß nicht, ob ich recht damit tu’, ich weiß wahrhaftig nicht, mir ist so eigen ängstlich, gleichwohl nichts Unrechtes dabei ist, aber es ist das erstemal in meinem Leben, daß ich etwas unternehm’, was ich vor der Welt heimlich halten möcht’ und ganz für mich allein.“