„Ein bißchen Heimlichkeit gehört wohl dazu,“ sagte Florian. „Wir hätten uns gewiß keines zum Brunnen mitten im Orte getraut. Es dauert auch nur so lang’, bis man weiß, woran man ist und dasselbe möcht’ ich dir jetzt abfragen.“

„So frag halt.“

„Als Kinder haben wir uns leiden mögen, als halbwüchsig sind wir immer zusammen gewesen, und wie mir weh’ geschehen ist, daß du dich von da an hast von mir ferngehalten, das kann ich dir gar nicht sagen. Oft genug hab’ ich dich mir die Zeit über betrachtet, bildsauber bist du, kreuzbrav dazu und gescheit obendrein, es gibt nichts Zweites auf der Welt wie du bist, für mich nicht, — damit du nicht glaubst, ich rede ungesund daher, so sag’ ich, für mich nicht; wenigstens wüßte ich nicht, was ich angeben möchte, wenn du solltest eines anderen werden! Wenn wir von Kind auf gedenken, tausend Einfälle und Stückeln sind uns immer dem einen durch das andere gekommen, wir können uns für alle Lebzeit im Gedächtnis nicht loswerden, und weil wir uns so gut kennen und allweil so gleich Schritt gehalten haben, so meine ich, wär’ auch gleich gescheiter, wir gingen lieber in einem Stück fort das ganze liebe Leben lang miteinander! Uns kann nicht geschehen, wie oft anderen zusamm’ verheirateten Hascherln, daß sich dann keines in das andere zu schicken weiß; wir wissen es, was wir aneinander haben und jedes weiß sich auch vom andern danach wertgeschätzt.“

Magdalena sah zu Boden, wickelte die Schürze über die vollen Arme und wieder von denselben. „Es muß ein Unglück sein,“ sagte sie leise, „ich hab’ es aus meines Vaters Reden entnommen, es muß ein großes Unglück sein, wenn ein rechter Mann oder ein rechtes Weib nicht mit ihresgleichen sich zusammenfinden.“

„Ganz recht hat da dein Vater, und ich meine schon selber, wie die Leute sagen, er wär’ nicht dumm, aber in einem Stück könnte er wohl auch den Gescheiteren machen; ich möchte ihn schon dafür in Ehren halten, wie ihm gebührt.“

„Aber schau, Flori, wenn er so gescheit ist, so hat er doch am End’ seine Ursachen?“

„Sorge nicht, Leni, auch die gescheitesten Leute haben ihre Mucken. Erst muß er mich doch kennen lernen, dann mag er reden und darauf fürcht’ ich mich nicht, wenn ich nur eines weiß.“

Magdalena sah schweigend zur Seite.

„Wenn ich eines weiß,“ sagte Florian, „entweder frag’ ich dann nach keinem Himmel mehr, oder mich schreckt auch keine Höll’!“

„Geh, das ist lästerliches Reden.“