„Nur die Wahrheit ist es, und frei heraus sag mir, Leni ob du mich leiden magst?“
„Ich weiß nicht.“
Er faßte sie an beiden Händen, die leise zitterten, wendete sie gegen sich, sah ihr treuherzig in die Augen und sagte: „Geh, du weißt es schon, sag es!“
Was sollte daraus werden? Sie vermochte nicht zu reden, sie konnte nicht ja sagen, nicht um die Welt, und nicht nein, wenn man ihr eine zweite dazu geboten hätte, und war doch die eine, die in der hellen Mondnacht vor ihr lag, so schön, und so selig auf ihr zu sein! So bekannt wie von vieltausendmal her und so unverlierbar, so ganz unser eigen, daß wir sie mit einem teilen und an andere schenken können. So soll es ja sein. Was fragt der rasche Herzschlag: Teilst du mit ihm? Teilst du mit ihm?
Ihre Finger klammerten sich fest um die seinen.
Und er sagte leise und fröhlich: „Wenn du es auch nicht sagst, nun weiß ich es doch.“
Da lief ein flüchtiges Zittern über ihren Körper, sie wollte es ihm mit schämigem, schalkhaftem Blick verweisen: Sei nicht so einbilderisch! Aber ein paar Tränen, die ihr an den Wimpern zitterten, verhinderten sie, das Auge aufzuschlagen, und das Köpfchen, das sie gar trotzig schütteln wollte, lehnte sich traulich an seine Schulter.
Da tat der Bursche einen lauten Juhschrei, und als sich das Mädchen erschreckt von ihm losmachte und davoneilen wollte, hielt er es an der Hand zurück und flüsterte: „Sei nicht bös, mir ist so himmel- und erdfreudig, daß es hat heraus müssen, wird es ja niemand Unrechter gehört haben! Morgen, einmal noch, komm da herauf, und übermorgen rede ich mit meiner Mutter. Weibern vertraut man derlei lieber an, es erinnert sie selber an ihre ledige Zeit, und es ist ihr liebstes Geschäft, wenn sie können eine Heirat richtig machen.“
Das Mädchen drückte ihm die Hand.
„Gute Nacht,“ sagten sie alle beide und traten eines von dem andern zurück, sie wußten sich für heute nichts mehr zu sagen.