Magdalena ging auf dem Fußsteige dahin, Florian sah ihr nach, bis zum Weißdornbusch war sie gekommen, da rief er: „Auf morgen!“
Sie blieb stehen, brach ein Zweiglein ab und sagte leise: „Morgen.“ Dann setzte sie ihren Weg fort, ungehindert und unbeirrt; die Nachtvögel hausten da oben im Tann, der Weißdorn hatte ihr ein Blütenbüschel geben müssen, und das Gras, vollgesogen von Tau, ließ teilnahmlos die Halme und feinen Rispen hängen. Unten an der Straße verschwand das Mädchen im Schatten.
Da horchte Florian noch auf, wie sich das Tor unten öffnete und schloß, und dann schritt er fröhlich durch den Tann.
Durch den Tann im Vollmondschein! Das Tannenwäldchen war so feierlich, so still, so ruhig wie eine Kirche, und ohne Laut mit hochklopfendem Herzen und frischem Atemzuge durchschritt er es. Als er jenseits aus demselben heraustrat und hinabblickte auf sein Elternhaus, da ward ihm so jubeltoll, er faßte eine junge Tanne am Waldessaume und versuchte sie aus dem Erdreiche zu ziehen.
Der junge Baum aber stach und sperrte sich gewaltig und knarrte: Oho, so leicht geht das nicht!
Lachend ließ er los.
Dann sah er schweigend eine Weile in die Gegend, warf die Arme von sich, als könnte er sie, wie weit sie auch da vor ihm lag, an das Herz drücken und rief: „O Herrgott, wie schön ist doch deine Welt!“
Dann ging er hinab nach der Mühle und schlich sich nach seiner Schlafstelle. „Allzusammen wissen sie noch nicht, was ich weiß.“ Er lachte fröhlich auf, dann hatte er nur einen Gedanken: Morgen!
„Mein gehört eines auf der Welt! — — Und wenngleich morgen alle Heimlichkeit vor den Leuten aufhört, bleibt allfort eine zwischen uns und das ist das Schönste! — — Ob sie auch so meint? das frag’ ich sie — morgen — wenn nur auch schon morgen wär’!“
Es gab nichts Klügeres, als den Rest vom Heute wegzuschlafen, damit doch Morgen käme.