Beide lachten laut.
Ein Wolkenschatten machte sie wieder ernst.
„Wenn mich deine Mutter nur gut leiden kann,“ sagte das Mädchen, „dann mag sie glauben, wir sähen einander so gleich, wie ein Ei dem andern; denn weißt du, man faßt doch mehr Herz wieder zu einem Frauenzimmer.“
„Das versteh’ ich schon, übrigens ist mein Vater auch nicht uneben, kennt man ihn nur erst, brummig und nachdenklich ist er halt die Zeit her geworden, aber reden läßt er doch mit sich. Und wirst sehen, es kommt nur auf ein näheres Bekanntwerden an, so mögen sich alle auf dem Reindorferhof und von der Mühle im Wasser-Graben untereinander gar wohl leiden und auf dem Wege, der dazwischen liegt, wird immer eines auf den Füßen sein, das die andern heimsucht, oder just von ihnen kommt, und Sonntags finden wir uns alle, so viel wir unser sind, in der Kirche zusammen, und haben alle Ursach’ Gott zu danken, daß er solche rechtschaffene Eintracht gestiftet und alles wohl gemacht hat.“
„Das wär’ so viel schön!“
„Es wird so, verlaß dich darauf, und siehst, dann braucht sich auch keines mehr zu fürchten, es möcht’ in Widerwärtigkeit allein und verlassen dastehen, da wollen wir immer uns alle für das eine rühren, und die schwerste Prüfung fällt nimmer so hart, wenn man weiß, es nehmen andere teil. Ich denk’ nicht anders, als es muß ein Leben werden, wie wenn uns ein Stück vom Himmelreich auf die Erd’ gefallen wär’, und dasselbe vergönn’ ich allen miteinander, nur den Erzengel, der mit dabei ist, den behalt’ ich für mich alleinig.“
„Geh zu, du Schmeichelkatz, meinst du, ich weiß nicht, daß es dir selber zuwider sein möcht’, wenn ich ein Engel wär’, was könntest du auch mit einem solchen anfangen? Aber ich hoff’ schon, der liebe Gott läßt uns früher ein Stückl Himmelreich zukommen, bevor wir ins ganze hinauf müssen; ich bin mit ein’ ganz klein bißchen zufrieden, nur zum Verkosten.“
„Ich verlang’ just auch keinen ganzen Laib, aber doch einen ordentlichen Anschnitt, daß auf jeden ein Bröserl kommt, und so viel wird er sich schon abbetteln lassen! Ich sag’ dir, Leni, es kann ja gar nicht anders werden als schön!“
„Ich freu’ mich darauf,“ sagte leise das Mädchen, vor innerer Lust ballte sie fest die Hände, dann raufte sie die Halme, die sie dabei erfaßte, aus und ließ sie spielend durch die Finger gleiten.
Eine schwere, düstere Wolke deckte den Mond. Es raschelte auf dem Wege, der aus dem Tannenwäldchen führte, im Dunkel schritt jemand auf sie zu, und als das Licht wieder hervorbrach, stand der junge Reindorfer vor ihnen, und seitab die Josepha.