„So seid doch gescheit,“ sagte Josepha, „und haltet Friede! Verschwägert werden wir ja doch alle zusammen, ob nun der Alte da unten auf dem Hofe will oder nicht. Gute Nacht, Müller Flori.“ Sie faßte ihn freundlich an der Hand.
Leopold drängte sich dazwischen. „Da laß das Händedrücken sein, Müllerbub’, und halte dich an die Schwester.“
„Tu nur nicht eifersüchtig in der Verwandtschaft,“ lachte Josepha. „Gute Nacht, Leni.“
„Gute Nacht! — Du Leopold, dich hätte ich etwas zu bitten. Es gilt nichts Unrechtes, aber weißt, ich möchte keinen Verdruß und brächte es ungern früher zur Sprache, bevor es richtig werden soll und man mich nur ja oder nein fragen kann, und das soll gar bald sein; nur heut tu mich daheim nicht verraten!“
„Brauchst gar nicht zu bitten, könntest ja auch sagen, du hast mich mit der Sepherl betroffen; obwohl ich mich derohalben nicht fürchten möcht’, so ist mir doch das unnötige Worteln und Zanken zuwider. Kennst mich überhaupt schlecht, wenn ich gleich zehnmal um deine Liebschaft wüßt’ und was ich auch davon halte, ob ich meine, es wär’ gut oder übel, sagen tät’ ich doch nichts davon; der Alte tut ja, als ob er auf’m Erdboden das Gras und auf der Leut’ Köpfe die Haare wachsen hörte, so mag er warten, bis er auch das von sich selber erfährt. Gute Nacht miteinander!“
„Gute Nacht!“
Leopold und Josepha gingen die Wiese hinab, nach der Straße zu.
Florian rückte verdrossen den Hut zur Seite und kraute sich in den Haaren. „Warum hast du dich auch hinter die leichtfertige Dirn’ stecken müssen? Die meint nun, daß wir ihr Wunder was für Dank schuldig wären, weil sie deinen Bruder vom Raufen abgehalten hat. Hättest du uns raufen lassen! Es wäre mir jetzt viel leichter. Das Innerste kehrt sich in mir herum, wenn solche, wie die zwei, das Maul breit ziehen und einem merken lassen, sie halten alle Welt für gleich unbedacht, spielerisch und unehrbar, wie sie selber sind. Für mein Leben gern hätte ich ihn niedergeschlagen und sie dazu, die beiden haben uns heute ja doch alle Freude verdorben und zernichtet!“
„Sie ist gar so frech.“
„Und dein Bruder kriegt von ihr ab, darauf verlaß dich. Aber bin nur ich erst in der Verwandtschaft, dann halte ich zu deinem Vater, die darf mir nicht hinein, dein Bruder wird doch nicht gar so dumm sein, wenn ihm alles abredet! Und morgen schon vertrau’ ich mich der Mutter an, die muß anfragen bei deinen Leuten, damit wir wissen, woran wir sind, und sagen sie etwa, wir beide wären noch zu jung, das tut nichts, wenn ich dich nur kriege! Hat der Jakob, wovon in der Bibel steht, sieben Jahr’ Wartzeit auf sich genommen, damit er die Rechte bekommt, so werd’ ich doch auch eine Zeit ausdauern können, zweimal sieben Jahr’ kann es einen heuttags nimmer treffen, weil sie keinem zwei Weiber antrauen können, das ist nur zu Erzväterzeiten gegangen, und ich mag es ihnen nicht neiden; so recht, nach Herz und Seel’ eins werden, können doch gewiß nur zwei alleinige Leut’!“