„Gute Nacht, Flori!“
Der tiefdunkle Schatten einer schweren Wolke, die unter dem Monde langsam dahinstrich, entzog das davoneilende Mädchen seinen Blicken, nach einer geraumen Weile ging unten das Tor auf und schlug wieder zu. Er schritt im Düster durch den Tannenwald, erst am jenseitigen Waldessaume wurde es wieder licht.
Mit Schritten rasch und kräftig, wie sein Herzschlag, ging er den Steig dahin, der hinab nach der Mühle führte.
Bald sollte ja alles werden!
Beschränkten nicht die Gedanken und Vorstellungen der Schläfer die Träume, wüßten diese mehr als jene, kämen und gingen sie, wie sie oft in ihren Täuschungen uns vorgaukeln, als wären sie leibhafte Wesen, in dieser Nacht mit den ziehenden Wolkenschatten hätten sich zwei freundliche Traumbilder auf dem Wege zwischen der Mühle und dem Gehöfte getroffen und sie hätten sich wehmütig lächelnd sagen können, daß sie gehen, ein Glück vorausnehmen, das die Wirklichkeit nie und nimmer gewähren konnte und durfte!
9.
In der Küche war die Müllerin geschäftig. Florian schlich herzu, er hatte seine unangebrannte Pfeife in der Hand und suchte an seiner etwas umfangreichen Mutter vorüber nach dem Herde zu gelangen, das Ungeschick, mit dem er sie immer anrannte, so oft sie ihm auszuweichen gedachte, machte sie ungeduldig.
„Was hast du denn eigentlich da in der Küche zu suchen, du Häferlgucker!“ sagte sie.
„Einen Span fänd ich gerne, damit ich mir die Pfeife anbrennen könnt’; weil da Feuer genug ist, denk’ ich, es wäre schade um ein Streichholz.“
„Seit wann bist du denn so sparsam?“