„Gar ist es? Was kann da gar sein?“ sagte aufgeregt die Müllerin. „Ich wollte kein Wörtel verlieren, Reindorfer, wenn du nur einen Grund angeben tätest, warum du nein sagst, möglich, daß dann doch eine Vernunft darein käme! Aber, daß man so ganz eigensinnig und unvernünftig zweien jungen Leuten ihr Lebensglück abspricht, das darf ich doch nicht so ohne Widerred’ hingehen lassen. In allem und jedem taugen sie zusammen, den Jahren, wie dem Wesen nach, auch die Sippschaften, aus denen sie her sind, haben keine vor der anderen etwas voraus, und ich denke, meine Werbung wäre nicht zu verachten und könnte dir wohl anstehen. Was aber die Feindschaft zwischen dir und meinem Mann anlangt, so halt’ ich doch dafür, daß du soviel Christ sein wirst, sie beiseit’ zu lassen, um so mehr, wenn andere unschuldigerweis’ darunter leiden möchten! Also sei gescheit und besinn dich anders, tu es deinem eigenen Kind nicht an, daß du dich gegen sein Glück sperrst.“

„Du redest viel in einem Atem, Müllerin,“ sagte der Reindorfer, „und machst dir damit doch nur ungeschaffte und unnütze Arbeit. Da gilt kein anderes Besinnen; glaub’ mir, ich tue nur, wie ich muß!“

Die Müllerin schlug die Hände zusammen. „Du lieber Himmel, bist du aber dickköpfig! Nun, warte nur, so geschwinde denk’ ich mich nicht abspeisen zu lassen, da reden wir doch noch eine Weile darüber. Sag mir nur, wie kann man denn gar so sein, daß man jahrelang dem andern etwas nachtragen mag, und selbst dann noch, wenn dem sein Kind und das eigene darunter leiden soll? Ich bitt’ dich!“

Der Bauer blies den verhaltenen Atem durch die Zähne, dann sagte er: „Ich möcht’ dich bitten, Müllerin, stell das unnütze Reden ein! Weil ihr Weiberleute zu allem herumzukriegen seid, wenn euch nur einer recht mit Reden zusetzt und nicht nachläßt, so meint ihr, auf gleiche Weis’ vermöchtet auch ihr eines Mannes Sinn zu ändern. Das ist aber nicht so. Was ein Mann ist, der bleibt bei seiner Rede und bei dem, was sie besagt.“

„Wir wollen ja sehen! Wenn du aber guten Rat annehmen willst, so höre lieber gleich heute auf das, was ich dir zu sagen habe und gib mir vernünftigen Bescheid darauf, sonst komme ich dir morgen wieder und übermorgen und Tag für Tag, bis es dir zuwider wird.“

Reindorfer sah die Müllerin ernst an. „Das wirst du bleiben lassen! Dein Mann wußte recht gut, daß dein Herfahren zu nichts führt, er hätte es dir ersparen können. Frag ihn einmal selber auf sein Gewissen hin, ob ich anders tun kann?“

„Das Fragen gedenke ich ohnehin nicht zu sparen und verlaß dich darauf, erfahr’ ich, mein Mann wär’ schuld, daß ihr euch zertragen, so muß auch er wieder der erste sein, der gut wird. Morgen sag’ ich dir, was ich ausgerichtet.“

„Sei nicht aufdringlich, Müllerin. Du redest da doch nur herum wie der Blinde von der Farbe. Ich sage dir, die Sache ist für heut und für allemal abgetan und ich will nichts mehr davon hören. Ich mag dich wohl leiden und bin sonst kein Schroll, aber wenn du mir wieder damit angerückt kämest, so müßte ich dir, um mir Ruhe zu schaffen, die Tür weisen!“

Die Müllerin wandte sich beleidigt ab.

„Nichts für ungut,“ sagte Reindorfer, „es ist nur, damit du weißt, woran du bist. Gib jetzt weiter keine Achtung darauf, denn ich denke“ — er sah fragend nach Magdalena — „die Jause wird fertig sein, laß sie nicht verderben.“