„Ich danke. Ich verlang’ nichts. Solange wir so miteinander stehen, könnte mir ohnehin da bei euch kein Bissen schmecken. Behüt Gott!“
Sie ging und Magdalena begleitete sie bis an den Wagen.
Als sie dort in die tränenden Augen des Mädchens blickte, tätschelte sie ihm die Wange. „Armes Hascherl, du,“ sagte sie, „mußt dich deswegen nicht gleich so kränken! Es war kein leeres Reden von mir, ich komme schon wieder, denn das Hinauswerfen fürcht’ ich kein klein bißchen. Aber ich bitt’ dich, sei auch du gescheit und laß nicht nach zu fragen, warum ihr euch nicht haben sollt, du und der Florian. Behüt dich Gott, lieb’ Herz!“
Der Wagen rollte davon.
Drinnen in der Stube rang die Bäuerin die Hände. „Nun will es an das Licht,“ jammerte sie, „es will an das Licht und wird sich nicht länger verschweigen lassen!“
„Warum nicht?“ sagte der Bauer. „Jetzt schickt sich Zeit und Gelegenheit, daß man die Dirne aus dem Hause bringt. Ich steh’ für sie ein, daß man sie nun ohne Gefährd’ nach der Stadt in einen Dienst gehen lassen kann, und für die Ausred’, warum sie weg muß, ist gesorgt; eben die Liebschaft will uns nicht taugen und die jungen Leute müssen sich aus dem Gesicht.“
„Das wäre schon recht, Joseph. Aber bedenk, bevor sich das ins Werk richten läßt, werden die Leute sich dareinmischen und herumfragen, und wenn es der Dirn’ selber keine Ruhe gibt und sie fragt, — sie fragt etwa dich selbst ...?“
„Ich möcht’ das nicht,“ murmelte scheu der Bauer, „ihr ins Gesicht komme ich mit Lügen nicht auf und fremder Sünd’ willen werd’ ich mir doch an keiner Betrübnis schuld geben! Ich verhoff’ nicht, daß sie fragen wird. Nein, ich verhoff’ nicht.“
Er kehrte sich ab und ging.
Die Bäuerin saß allein und starrte vor sich hin. Sie fühlte sich verlassen und doch war ihr, als wäre die ganze Stube übervoll, als hielte es alle frische Luft von außen ab, daß ihrer gepreßten Brust kein freier Atemzug möglich war, als drängte es sich an sie heran, daß sie sich nicht vom Stuhle zu erheben vermochte, als bannte es sie hier fest, daß sie nicht dem Geringsten von all dem, was nun kommen wird und muß, aus dem Wege gehen konnte. Und wenn dieser Bann andauerte, wenn sie gewärtig sein sollte, daß durch jene Tür Schande auf Schande, Jammer um Jammer hereintreten und sie betreffen würden, hier inner diesen Wänden, deren Steine gegen sie zeugen konnten, — — dann flüchteten wohl ihre Gedanken in das Weite und das Elend trifft sie wohl heim, aber nimmer bei sich!