Er war aufgestanden und schritt jetzt zwischen den Bäumen dahin.

„Ich wollt’, der Mensch müßt’ sich lieber über seine Schuftereien schämen als über seine Schwachheiten, so würde er nicht so oft aus Scham über seine Schwäche zum Schuft. Der sackermentische Müller hätte doch auch dazutun können, daß es nicht dahinkommt, wo sich alle Fäden bis zum Zerreißen spannen. Und jetzt sitzen alle, die mitgesponnen und nicht mitgesponnen haben, im Netz und können sich anfallen wie Geziefer.“

Er stand eben vor einem Aste, an dem ein Spinnennetz zerflatterte, in dessen Mitte die Eignerin mit einer eingedrungenen Spinne erbittert kämpfte.

„Das kneipt und zwackt sich untereinander nach seiner Art.“

Er setzte seinen Weg fort.

„Hätt’ es damit nur auch ein Absehen auf ein Ende, wär’ recht! Besser als aller Anfang und Verlauf ist immer das Ende, weil es das End’ ist, man hat die Sache fertig vor sich, weiß doch, was an ihr ist und nimmt sich Beispiel und Warnung daraus; aber im Unfertigen steckt man selber mitten darin, merkt, daß man mitläuft, aber nicht woher und wohin. Es ist nichts anders, als hätte das Unheil die Zeit über gerastet und nähm’ jetzt einen neuen Anlauf, oder nun verkriecht sich der eine, die andere hebt großen Jammer an, zwei wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, und ich selbst weiß mich nicht aus, hab’ ich bisher auch recht getan oder nicht? Ich hab’ doch getan, was ich hab’ tun können und dürfen, und seh’, bei aller Vorsicht und guten Meinung hab’ ich nicht mehr gerichtet als die andern, die sich ferngehalten und die Sache haben wachsen lassen, so breit und so hoch sie werden will. Es hat wohl so kommen sollen! Was man auch vorkehrt, es hilft nichts, wenn etwas kommen will! Und so wird auch Gott wissen, wo das hinaus soll, ich bin noch blind dafür!“

Er kam wieder an dem Aste vorüber, an welchem das Spinnennetz jetzt leer und verlassen hing.

„Schau, da war keine stark genug, die andere aufzufressen. Beide liegen wohl da unten im Kraut elendiglich zerbissen. Geschieht euch recht! Fangt Mücken, wie euer Geschäft ist und haltet Fried’ untereinander. Daß sich dazu nicht Vieh noch Mensch verstehen mag! Wenn mir der Müller noch einmal sein Weib herüberschickt, dann lass’ ich ihm doch einen andern Gruß sagen.“

Da knisterte der Kies. Der Bauer wandte sich nach dem Geräusche um und Magdalena stand vor ihm. Er zog die Stirne in tiefe Falten.

„Was willst du da?“