„Ich bin doch nicht angenommen?“
„Nein, — du bist deiner Mutter Kind.“
„Das deine nicht? Heiliger Herrgott im Himmel! Du willst doch nicht sagen, daß sich meine Mutter versündigt hat?“
Der Bauer sah ihr starr in das Gesicht.
„Jesus, Maria! So bin ich wider Recht auf der Welt!“
Sie warf sich über die Bank in der Laube. Reindorfer trat hinzu, und sie schluchzte an seiner Brust, ihr ganzer Körper schütterte und wand sich, und immer begann sie aufs neue und sagte dazwischen: „Sei nicht bös, — o, sei nur nicht bös!“ Der alte Mann aber streichelte mit beiden zitternden Händen ihre nassen Wangen und seine Tränen fielen auf ihr reiches Haar.
Plötzlich unterdrückte sie das Schluchzen, schob den Bauer einen Schritt von sich und sah ihm groß in die Augen. „Ja, wie ist denn das,“ sagte sie, „und wie paßt das zusammen, du hast es mich doch nie verspüren lassen; du tust es wohl auch jetzt nicht, nur um mich zu kränken; warum verweigerst du mich dem Florian?“
Dem Bauer war der helle Schweiß auf die Stirne getreten, er wischte mit dem Ärmel darüber. „Es ist schon allzuviel gesagt, schon zu viel, laß es gut sein, frag nicht weiter!“
„Da ich das eine weiß, gib mir das andere auch. Noch hast du mich in deiner Hand und kannst mich leiten. Verlaß mich nicht in so schwerer Stund’, wo ich nicht weiß, wo hinzu ich mich wenden soll. Tu es nicht, laß in mir keine Gedanken aufkommen; wenn du mich überweisen kannst, red, eh’s zu spät ist! Noch frag’ ich, warum nicht sein kann und darf, was wider deinen Willen wär’, sag es, sonst möcht’ ich mir etwa den meinen nehmen, und dann nicht weiter danach fragen, was Gott und die Welt davon halten!“
„Jesus! Dirn’, Dirn’, red nicht so unbeschaffen, das ist nicht christlich, das ist heidnisch Wesen!“