Weit – weit fort! mein lieber Freund! Es ist keine Sicherheit mehr in Deutschland! Wir sind verscheucht aus jedem Asyle. Die Prinzessin flieht, ich folge, und auch hier, Herr Jacques in Diensten Seiner königlichen Hoheit des Prinzen.

So sehe ich dich, nur um dich abermals zu verlieren, Angés? rief der Graf erschüttert aus.

Es ist so des Schicksals Wille! seufzte Angés und Thränen entströmten ihren Augen.

Warum entzogst du dich unserm treuen Leonardus? fragte er sie nach einer Weile, nicht ohne einigen Vorwurf im Tone.

O mein lieber, lieber Freund! Es ging ja nicht anders; ich konnte nicht anders, ich mußte so handeln! Sprich Freund, – wo ist er? Siehst du ihn wieder? Erzählte er dir von mir? Gewiß, das that er, sonst könntest du mich nicht so fragen!

Ludwig schwieg betreten – er fand nicht alsbald die Antwort; erst nach einer Pause erwiderte er: Angés, ich muß dich ruhiger sprechen. Ich kann unmöglich so mich mittheilen. Wird die Herrschaft nicht Rast machen?

Nur so lange, als auf der nächsten Station umgespannt wird, war ihre Antwort.

Philipp kam jetzt nachgaloppirt, Angés erschrak, sie wähnte, es sei ein Verfolger. Ludwig beruhigte sie, gebot seinem Diener zurückzureiten und dem Beamten zu sagen, er möge mit der Schutzmannschaft nachkommen. Ludwig war nicht geneigt, den Wagen, in welchem Angés saß, aus den Augen zu verlieren, aber welche mächtige Gefühle durchwogten kämpfend seine Seele. Sie glaubte Leonardus noch lebend, sie verließ wahrscheinlich Deutschland, weshalb that sie das? O, sie liebt nicht heiß, nicht wahrhaft! sagte Ludwig sich selbst. Was kann sie zwingen, ihre Freiheit hinzuopfern? Wie in aller Welt vermag sie das über sich? Ach, und wie schön ist sie noch! Wie himmlisch, wie rührend schön!

Ich reise in Deutschland, erzählte Ludwig flüchtig im Nebenherreiten, – komme über jene Höhen da droben, war bei der Armee – o Angés, ich hatte mir vorgenommen, demnächst nach Süddeutschland zu gehen und unablässig nach dir zu suchen.

Angés erglühte, ihre Lage war peinlich, sie konnte nicht frei ihrem Gefühle Ausdruck verleihen, der alte Jacques, den die angestrengte rastlose Reise sehr angriff, machte ein grämliches Gesicht, sie ließ also Ludwig sprechen und antwortete fast nur durch Zeichen und Lächeln. –