„Das wäre ein Hauptwerk!“ erwiderte böse die Mutter. „Ich fürcht’ ihn nicht, und wenn er so groß wie ein Berg wäre; nicht mehr und nicht weniger fürcht’ ich ihn, wie deinen Vater! Was hat der ausgerichtet mit mir nun die zwanzig Jahre? Noch heute geb’ ich ihm um kein Haar breit nach!“

Während dieser Schalkrede der ältern Frau standen der Schwäher und der Tochtermann an einer heimlichen Stelle, wo sie jedes Wort hörten, und der Alte sprach leise zu seinem Schwiegersohn: „Ich bin inniglich froh, daß Ihr meiner Tochter starren Sinn bezwungen, und gern hinterlasse ich Euch und ihr mein Hab und Gut, wenn ich dahinfahre.“ Der Schwiegersohn bedankte sich für die freundliche Gesinnung des Schwähers, der dann wieder zu ihm sprach: „Ratet mir doch, wie ich Eurer Schwieger tue, die mir allezeit widerstrebt und mir mein Leben so bitterlich vergällt! Wär’ es nur zu machen, daß sie etwa ein Jahr vor ihrem Tode wenigstens von ihrer Härte ließe, so hätte ich die sonderste Freude und all mein Leid ein Ende!“

Darauf verhieß der Schwiegersohn die Schwiegermutter gut zu machen auf seine Weise, wenn der Schwiegervater ihm das nicht wehren wolle. Der sprach: „Ich will Euch nichts verwehren, siedet oder bratet sie, so will ich noch Holz dazu tragen.“

Der Ritter nahm alsbald heimlich vier flinke, starke Knechte, vermaß sich großen Zorns und ging nach der Kemnate, wo noch die Alte saß und immerfort auf ihn und ihre Tochter schalt. Als sie ihn kommen sah, grüßte sie ihn spöttisch: „Seid Gott willkommen, Herr Engelhart!“ „Schönsten Dank, Frau Schlechthart!“ klang sein Gegengruß, und dabei trat er fest an sie heran und sprach: „Frau, laßt Eure Unart, das bitt’ ich Euch, gegen Euern und meinen Herrn. Er sollte Euch ungezählte Schläge auf euern Rücken mit einer eichenen Elle zumessen, bis Euch so weh würde, daß Ihr ein gut Weib würdet.“

„Ei!“ sprach sie, „ich höre wohl, daß Ihr viele so erschlagen habt, lieber Herr Guguguk! Ich habe aber doch bisher noch Haut und Haar behalten, hoff’ es auch noch länger zu tragen! Was hab’ ich aber Euch getan?“

„Ihr scheltet täglich meinen Herrn, Euern Mann, und verleidet ihm sein eignes Haus!“ antwortete der junge Ritter; sie war aber gleich mit der Gegenrede zur Hand: „In meinem Hause heiße ich Kratzmaus! Ich kann darin sein Meister sein wie mein eigner, und es soll ihm Gott, solang ich lebe, nun keinen einzigen guten Tag mehr geben!“

„Und gibt Gott mir Glück,“ sprach der Schwiegersohn, „so acht’ ich, daß Ihr noch, ehe wir voneinander gehen, Eure bösen Ränke und Schwänke laßt.“

„Daß es Euch nur nicht mißglücke!“ rief sie, „sonst habt Ihr, so mir der große Gott von Schaafhausen, nur Schande und Spott davon!“

„Ich weiß, was Euch so irr’ und wirr und böse macht,“ nahm der Ritter wieder das Wort. „Ihr habt zwei Zornbraten hier an jeder Hüfte, davon kommt’s, daß Ihr so üble Sitte habt; wenn Euch die jemand ausschnitte, das wär’ vortrefflich gut, denn Ihr würdet fröhlicher als jemals eine Frau, und für Euern Mann wär’s nicht minder gut.“

„Ach! Ich freue mich, daß Ihr so ein guter Arzt seid, lehrt doch Eure Kunst meine Tochter!“ war ihre Antwort. „Habt Ihr auch Bertram feil und Nieswurz? Ihr mischt wohl Beifuß zum Tranke?“ —