„He! Euer Spott ist groß!“ rief der Ritter, „aber er wird Euch gleich versalzen werden; sobald wir Eure Zornnieren und Zornbraten haben, so werdet Ihr besser und frommer als ein Kind werden!“
„Genug mit Eurem Klaffen, Klaffer!“ schalt die Frau. Da griffen aber die Knechte auf des Ritters Wink sie an, warfen sie nieder, und der Tochtermann wetzte ein großes scharfes Messer, das setzte er ihr an ihre Hüfte und schnitt ihr durch Gewand und Hemde eine lange, tiefe Wunde, daß ihr Hohnlachen ihr ganz verging; dann sprach er, indem er ein Stück Fleisch in ein Gefäß warf: „Seht, Frau, Ihr seid manches Jahr ein schlimmes Weib gewesen, daran waren Eure Zornbraten schuld, die kann ich Euch nicht länger lassen.“ Sie aber lag traurig und schreiend: „Das wußt ich an mir selbst nicht, aber ich weiß, welcher Teufel Ihr mich beraten habt!“
„Ja, Ihr habt noch einen Zornbraten,“ sprach der Ritter, „an Euerm andern Bein, der muß noch heraus!“
„Ach,“ klagte sie fast weinend, „der ist ganz klein, der schadet mir nicht zuviel! Helfe mir Gott! der, den Ihr schon ausgeschnitten habt, der war an allem Schaden schuld. Ich bin alles Zornes ledig, und will still sein, laßt nur den andern ungeschnitten.“
Da sprach die Tochter heiter zu ihrem Gatten: „Bedenket wohl, was Ihr tut; ich fürchte, wenn auch der andere Zornbraten nicht herfürkömmt, so ist die große Arbeit an dem einen verloren, und am Ende bekommt der andere Zornbraten Junge, so Ihr den nicht auch ausschneidet.“
„Nein, nein, liebe Tochter!“ rief die Mutter, „sprich ihm doch zu, daß er mich unversehrt lasse, ich will ja gut sein!“
„Frau Mutter,“ antwortete die junge Frau, „Ihr gabt mir den Rat, wider meinen Mann zu streiten, ihm nicht untertan zu sein; darum, und daß sie meinem Vater so übel mitgespielt, schneidet nur ihren Zornbraten aus!“ Und da griff der Ritter zum andern an, jene aber schrie: „Nein, nein! Es ist mehr als genug! Tochter, denke, daß ich dich unterm Herzen getragen, und gewinne mir Frieden von deinem Manne! Ich will beschwören, daß ich gütevoll leben will, und der milde und gerechte Gott behüte mich vor Zorn. Den großen Zorn hat mir der Ritter schon genommen, und der kleine ist keines Eies wert zu achten!“
„Wohl,“ sprach der Ritter, „begehrt sie Friedens, so lasse ich ab von ihr, doch gelobe sie zur Hand, daß, wenn sie den Zorn nicht meidet, sie sich aber will schneiden lassen.“ Hierauf ward sie aufgehoben und ihre Wunde verbunden.
Und die Frau warf allen Krieg und Hader unter die Füße, wurde ein gut sittig Weib, ließ ab von ihrer bösen Heftigkeit, und als der andere Tag kam, nahm sie Urlaub mit ihrem Mann von dem Schwiegersohn, und er wünschte ihr, daß Gott sie bewahren möge vor allem Übel.
Wenn sie nun nach der Hand dennoch noch manchmal etwa ein Wörtlein oder mehr zu ihrem Manne sprach, das ihm leid und unlieb war, so durfte er nur sagen: „Ich kann mir nicht helfen, ich muß nach unserm Tochtermann senden,“ so wurde sie rot vor Furcht und sprach: „Es ist nicht not darum, sein Kommen wäre mir nicht zum Heile. Ich habe ja Mut und Sinn, zu tun, was Euch lieb ist, und rate auch allen Frauen, daß sie ihren Männern das entbieten, was ich jetzt dem meinen, so sie nämlich in Frieden bestehen wollen.“