Die Beispiele von ornamentaler Verwendung der Nymphaea caerulea sind ungeheuer zahlreich. Die blaue Nymphaea scheint die beliebteste Pflanze für decorative Zwecke gewesen zu sein. Aus dem alten Reich mag als Beispiel eine Reliefdarstellung aus Giseh, Grab 24 des Mer-eb ([Abb. 19]) aufgeführt sein. Aus dem mittleren Reiche kann eine farbige Darstellung aus dem Sarge des Mentuhotep ([Abb. 20]) und ein Stück von einem Wandgemälde aus Benihassan ([Abb. 21]) genügen; auf diesem sind auch Knospen und Blätter mit dargestellt. Auch ist hier nochmals auf das Titelbild von Newberry's el-Berscheh, Theil I, zu verweisen, auf dem man gut den Unterschied in der farbigen Darstellung von Nymphaea Lotus und Nymphaea caerulea sehen kann. Die Verschiedenheit der Contourierung zeigt oben unsere Abbildung 2 sehr anschaulich. Von den zahlreichen Beispielen des neuen Reiches sind nur ein Fries aus Tell-Amarna ([Abb. 22]) und eine Innenverzierung einer blauen Fayenceschale ([Abb. 23]) gewählt worden; weitere Beispiele wird der Leser mit Leichtigkeit in den Publicationen und Museen finden.
Nebenbei soll noch erwähnt werden, dass die Blätter von Nymphaea caerulea ein beliebtes Motiv für Fächerformen[23] bildeten, da sie vermuthlich in früher Zeit selbst als Fächer Verwendung fanden. In der Schrift kommt das Blatt (s. [Abb. 18] u. [21]) als Silbenzeichen und als Zeichen für 1000[24] vor.
Aus den aufgeführten Beispielen können wir ohne Weiteres das entnehmen, was dem ägyptischen Maler als charakteristisch für Nymphaea caerulea aufgefallen ist: Das Blatt erhält fast immer seine richtige, naturalistische Form; Fälle, in denen es einmal etwas anders gezeichnet erscheint ([Abb. 23]), sind selten. Die Blüthe ist stets spitzig, grün mit gelblichem Fruchtknoten; die Härchen auf den Kelchblättern sind in zahlreichen Fällen durch Strichelchen wiedergegeben. Die beiderseitigen äusseren Umrisslinien der Blüthe sind wie in der Natur stets etwas steif und gerade; selten zeigt sich nur eine leise Biegung nach aussen. Die stets spitzen Kelch- und Blüthenblätter berühren natürlich in allen Fällen den oberen Contour.