Der niedrige Abakus dieser Säule hat keinerlei Ornament und sitzt wie auch bei den übrigen Säulen ganz unorganisch auf dem Kapitell. Er hat eben nur eine constructive Function und ist meist so klein, dass er bei den weit ausladenden offenen Kapitellen von unten kaum zu sehen ist.

Somit hätten wir die Entwickelung der geschlossenen und offenen Lotussäule durch die ganze ägyptische Baugeschichte verfolgt und wenden uns nun zu der Pflanze, welcher die zweite Art der ägyptischen Nymphaeensäulen nachgebildet ist.

b. Nymphaea caerulea L.

[Abbildung 18.]

Die Nymphaea caerulea hat, wie unsere Abbildung ([Abb. 18]) zeigt, ein von dem der Nymphaea Lotus wesentlich verschiedenes Aussehen. Stengel und Blätter sind noch am ähnlichsten, nur dass die Blätter ohne Zähnung, also ganzrandig sind. Die Knospen sind jedoch spitzig, während die von Nymphaea Lotus elliptisch waren; auch sieht man unten schon etwas von dem gelblich schimmernden Fruchtboden. Die vier Kelchblätter der Knospe und Blüthe sind unten gelblich grün, höher hinauf ausgesprochen grün, von spitziger Form und mit kleinen, schwarzen oder röthlichen Haaren besetzt. Die wie bei Nymphaea Lotus regelmässig angeordneten Blüthenblätter sind ebenso geformt wie die Kelchblätter, und in der Farbe weiss mit violett sich abtönenden Spitzen. Nach den altägyptischen Abbildungen zu urtheilen, könnte es wohl sein, dass noch anders gefärbte Varietäten, nämlich solche mit ganz violetten bezw. bläulichen Blüthenblättern, früher in Aegypten heimisch waren.

[Abbildung 19.]

[Abbildung 20.]