[Abbildung 27.]

Als letztes Beispiel einer offenen Nymphaea caerulea-Säule aus dem neuen Reiche mag hier noch eine solche ([Abb. 26]) aus einer Abbildung aus dem Grabe des Huj zu Qurnet Murrai dienen; dieselbe ist mit Farbenangabe publicirt; man sieht daraus, wie wenig sich die ägyptischen Architektur-Maler in vielen Fällen an die natürlichen Farben hielten.

Hiermit ist die Reihe der Beispiele natürlich noch nicht erschöpft, auch in etwas späterer Zeit kommt das offene Nymphaea caerulea-Kapitell noch vor, z. B. in der bereits oben bei Nymphaea Lotus citirten Bouquetsäule aus dem Grabe des Sen-nudem in der 20. Dyn.[28]; später jedoch scheint es ausser Mode gekommen zu sein. Aus der Spätzeit ist mir wenigstens kein Beispiel bekannt, wenn man nicht die schon oben erwähnten Säulentrommeln ([Abb. 27]) vom Arsnuphistempel auf Philae hierher rechnen will, welche Nymphaea caerulea als Blüthe und Knospe auf den dreifachen Zwischenstengeln zeigen.

Damit wären die Nymphaeensäulen sämmtlich besprochen; wir haben also drei Arten derselben: die geschlossene Nymphaea Lotus-Säule, die offene von derselben Pflanze abgeleitete und die offene Nymphaea caerulea-Säule. Wir müssen jedoch noch einer dritten Art von Nymphaeen, die zeitweise in Aegypten vorkam, Erwähnung thun, wenn auch nur um zu zeigen, dass sie ohne jeden Einfluss auf ägyptische Kunstformen geblieben ist:

c. Nymphaea Nelumbo L.

[Abbildung 28.]

Diese von den bisher besprochenen Nymphaeen gänzlich verschiedene Art macht, wie die Abbildung 28 zeigt, überhaupt nicht den Eindruck einer Nymphaee. Die weit aus dem Wasser hervorstehenden, napfförmigen Blätter bilden ganze Gebüsche, aus denen die rosenartigen Blumen hervorsehen. Am merkwürdigsten ist der Fruchtstand, den Herodot[29] sehr ansprechend mit einem Wespennest vergleicht und den Neuere nicht übel mit der Brause einer Giesskanne verglichen haben.

Altägyptische Darstellungen von Nymphaea Nelumbo finden sich nicht, wohl aber haben sich einige auf Kunstwerken der Spätzeit nachweisen lassen. Im Ptolemäischen Tempel zu Esneh[30], auf dem Mosaik von Palestrina und auf der berühmten vatikanischen Nilstatue finden sich Exemplare von Nymphaea Nelumbo abgebildet; an der zuletzt erwähnten Stelle übrigens nur Früchte mit falschen Blättern. Dieses späte Auftreten von Nymphaea Nelumbo in den Darstellungen ist nicht weiter wunderbar, da die Pflanze, wie neuere Arbeiten[31] gezeigt haben in Aegypten ursprünglich nicht heimisch war, und auch heutigen Tages dort nicht mehr wild vorkommt. Herodot ist der erste, der um 450 v. Chr. über sie berichtet, und Prosper Alpinus, der um 1580 n. Chr. die ägyptische Flora beschreibt, erwähnt sie schon nicht mehr. Die Ansicht Schweinfurth's scheint daher sehr annehmbar, dass Nymphaea Nelumbo durch die Perser aus Asien nach Aegypten eingeführt worden ist, sich aber auf die Dauer dort nicht halten konnte.