Das Fehlen von Nymphaea Nelumbo in der älteren Zeit, in der die Säulenformen sich bildeten, verbietet es also, irgend eine ägyptische Kapitellform auf die Blüthe oder, wie es auch geschehen ist, auf das Blatt dieser Nymphaea zurückzuführen.


Zum Schlusse der Besprechung wollen wir noch einmal kurz die Merkmale der Nymphaeen-Säulen zusammenstellen, durch welche sie sich von der ihnen gegenüberstehenden Kategorie der Papyrussäulen unterscheiden:

Die Basis fehlt manchesmal, was bei Papyrussäulen nie der Fall zu sein scheint. Der Schaft hat keine Schwellung und keine „Fussblätter”, wie wir sie bei den Papyrussäulen kennen lernen werden. Die Zwischenstengel sind wie die Hauptstengel mit Nymphaeenknospen oder Blumen gekrönt, deren Umrisslinien von denen der Papyrussäulen äusserst verschieden sind. Die „Kopfblätter”, d. h. die Kelchblätter des Kapitells gehen bis zum oberen Rande, während sie bei den Papyrussäulen wesentlich kürzer sind.


[II. Die „Lilien”-Säulen.]

Bei diesem Kapitel muss der Abschnitt mit der Beschreibung der der Säulenform zu Grunde liegenden natürlichen Pflanze in Fortfall kommen, da es bisher noch nicht gelungen ist, die betreffende Pflanze, welche als Wappenpflanze von Oberägypten ungeheuer häufig in der ägyptischen Kunst auftritt, botanisch sicher zu bestimmen. Wir werden daher gut thun, nur die Pflanze, soweit sie im Ornament vorkommt, zu analysiren und dann aus ihren Merkmalen zu zeigen, weshalb sie mit keiner der sonst gebräuchlichen ornamentalen Pflanzen identisch ist, und warum wir ihr am besten den Namen „Lilie” beilegen.

[Abbildung 29.]