Als gutes Beispiel einer abgebildeten Säule dieser Art und Zeit mag hier noch eine aus Benihassan, wo solche öfter vorkommen, eine Stelle finden ([Abb. 12]). Sie hat dicht über dem Halsband ein merkwürdiges Ornament, das auf ausgeführten Säulen bisher noch nicht nachweisbar ist. Dass Lotus-Säulen mit geschlossenen Kapitellen übrigens auch ornamental Verwendung fanden, zeigt ein von Petrie in Kahun[14] gefundener Kandelaber, bei dem eine, allerdings nicht ganz regelmässig geformte Lotussäule mit geschlossenem Kapitell den Untersatz für die Schale bildet.
Die bisher aufgeführten Beispiele stammen sämmtlich aus dem alten und mittleren Reich; merkwürdigerweise fehlt aus dem neuen Reich diese Säulenart gänzlich — wenigstens ist uns nichts davon erhalten. Erst in der Ptolemäerzeit sind wieder Beispiele und zwar in Philae und in el-Kab nachweisbar. Diese lehren uns jedoch für das Verständniss der älteren Exemplare nichts Neues; es mag daher an der Säule aus Philae ([Abb. 13]) nur auf eine uns hier zum ersten Male entgegentretende Eigenthümlichkeit der späten Säulen hingewiesen werden. Dieselben haben nämlich sehr häufig die Halsbänder nicht direct unter dem Kapitell, sondern ein ganzes Stück tiefer und zeigen zwischen Halsband und Kopf noch die richtigen Formen der Stengel, aus denen sich die Säule zusammensetzt. Unter dem Halsband sind diese späten Säulen meist glatt, d. h. ohne struktives Ornament, die für die Säulenformen unwesentlichen Bilder und Inschriften nicht zu rechnen. Merkwürdig ist bei den zuletzt citirten Säulen der Spätzeit noch, dass die dreifachen Zwischenstengel auf, nicht zwischen den Hauptstengeln sitzen.