»Weil Gottes Weisheit das Nutzlose nit erschafft und ein zweckloses Ding zwischen Himmel und Höll nit dulden kann. Die im unsauberen Laster und in der Sünd Verstockten kommen aus dem Feuer nimmer heraus. Da reicht die Höll. Die redlichen Willens sind, die sündigen nit unverzeihlich und kommen nit hinein ins Feuer. Da reicht der Himmel. Ohne Schuld auf Erden ist bloß ein einziger gewesen. Der Menschensohn. Was sonst noch lebt, und tät es der Beste sein, ist alles wie ein Hälml, das sich biegt unter hartem Wind und sich wieder aufrichtet in guter Stund. Wozu ein Fegfeuer? Redliche Reu hebt jede schwachgewordene Seel dem Herrgott entgegen. Da ist siebenfache Freud in der Höh. So steht's geschrieben. So ist es.«

Noch ehe Danckelmann eine Frage an die Tausend richtete, riefen schon alle Stimmen: »Ans Fegfeuer glauben wir nit.«

»Was hält er von jenen, die anderen Glaubens sind als er?«

Leupolt schwieg, seine Brauen zogen sich zusammen.

»Warum unterläßt er es, zu antworten?«

Da wandte der Jäger die trauernden Augen von dem würdigen Manne ab, sah den jungen Oberst an und sagte ruhig: »Herr! Meine Mutter, von allen Müttern die beste, ist eine gutkatholische Frau.«

»Will er damit sagen –« fiel Danckelmann ein. Weiter kam er nicht. Neben ihm klang eine leise, scharfe Stimme: »Assez!« Wieder legte sich die schlanke weiße Jünglingshand auf seinen Arm. Dann ein flinkes Gewirbel französischer Worte, halb ernst, halb mit spöttischem Klang: »Wir wollen da Schluß machen. Wer katechisieren will, soll's besser verstehen als der andere. Jeder von diesen Christen, mein lieber Danckelmann, glaubt hundertmal mehr als Sie. Von mir nicht zu reden. Ich stehe nackt und frierend vor diesen warm umwickelten Seelen.« Er trat erregt auf Leupolt zu, betrachtete ihn mit einem freundlich forschenden Blick und fragte mit leiser Zärtlichkeit, die seine Stimme völlig veränderte: »Hat er ooch 'ne Schwester?«

Der Jäger schüttelte stumm den Kopf.

»Schade!« Und langsam, fast schleppend – als wär' es für ihn eine Gedankenarbeit, die reindeutschen Worte zu finden – sprach der kleine, zierliche Offizier zu dem glühenden Gesicht des Jägers hinauf: »Mutter is der Name alles Gütigen uff Erden. Det Treueste und Wärmste heißt Schwester. Er hätte verdient, 'ne Schwester zu haben.« Seine weiße schlanke Hand faßte eine Falte an Leupolts Kittel. Der zärtliche Klang war erloschen, die Stimme verwandelt zu harter Strenge. »Er is so 'n reinlicher Christ, wie 'n wohljeschaffener Mensch. Wird er ooch 'n ebenso beschaffener Bürger werden?« Ein huschendes Lächeln. »Wat hält er von der weltlichen Obrigkeit?«

»Daß sie so nötig ist, wie die hilfreiche Sonn über dem Boden und wie die Feuchtigkeit im Acker. Wenn's die richtige ist, die allweil im Land das Gute und Rechte will, das Leben nit nötet, die Seelen nit zwängt, so muß man ihr gehorsamen auf Schnaufer und Sterben.«