»So? Meint er?« Wieder dieses flinkverschwindende Lächeln. »Und welche is unter solcher Obrigkeit die notwendigste Tugend eines guten Bürgers?«

»Die Treu.«

»Ooch. Es gibt 'ne bessere.«

»Mutige Tapferkeit wider jeden Landsfeind.«

»Ooch. Es gibt 'ne bessere.«

Leupolt schwieg, verwirrt durch den funkelnden Stahlglanz dieser strengen Jünglingsaugen.

»Ick will 's ihm sagen: die Pflicht. Det is der Hammer for alle steinernen Nüsse des Lebens. Un weeß er ooch, wat for'n Unterschied is zwischen Fürst und Bürger? Ick will's ihm sagen. Ein guter Fürst und 'n pflichtvergessener Bürger, da is der Fürst der höhere. Ein guter Bürger und 'n pflichtvergessener Fürst, da is der Bürger der bessere. Ein pflichtgetreuer Fürst und ein pflichtgetreuer Bürger, da is keen Unterschied nich. Jeder ein Diener seines Volkes.« Nun das leise, feinspielende Lächeln wieder. »Nna? Kann er det ooch glauben?«

»Wohl, Herr!« Mit zitternden Fäusten preßte Leupolt den Hut an die Brust. »Jetzt steht das für mich geschrieben. So ist es. Da glaub ich dran.«

»Denn soll 'r seinen Glauben den anderen predigen. So fleißig und gottfest, wie der Paster von Jüterbog das Predigen verstund. Und Preußen wird Wachstum haben. Jeb er mich seine Hand! Will er dans cet esprit der Unsere werden, denn bin ick der Seine. Und nu ruf er die anderen her. Denen will ick sagen, wie der König von Preußen ihnen helfen wird. Besser sollen sie's naturellement nich haben als unsere Preußen. Aber ooch nich schlechter.«

In einem Sturm von Glück und Freude schrie Leupolts klingende Stimme in das schöne kalte Nachtschweigen: »Her zu unserem Herrn, ihr Brüder in Christ! Der Helfer will reden zu euch!« Wie eine große, rauschende, weißgraue Woge strömte neben dem Feuerstoß der Halbkreis der Gnotschaften gegen den Jäger hin und schloß sich um die beiden Herren und die Fürsager zu einem engen Ring. Die Vordersten warfen sich auf die Knie und kauerten sich auf den Boden, damit die hinter ihnen Stehenden sehen und hören könnten. In diesem Ring von vorgestreckten Köpfen, von glanzäugigen, zwischen grellem Feuerschein und schwarzem Schatten wechselnden Gesichtern klang die langsame, nach deutschem Ausdruck ringende, scharfgepreßte und dennoch wohllautende Stimme des Sprechenden. Bei der atemlosen Stille, mit der sie lauschten, vernahmen die Tausend jedes Wort.