»Und wie!« Der Hiesel legte den Arm um das alte Weibl und tuschelte zärtlich, ohne den winzigsten Himmelsköter. »Jetzt ist alles wieder in der schönsten Ordnung!«
Der Schneckin brannte ein mädchenhaftes Erglühen über das Runzelgesicht. Verwundert guckte sie am Hiesel hinauf und flötete: »Jesus, wer hat's dir denn schon wieder verraten?«
»Was?«
»Daß ich mich dir z'lieb wieder einschreiben hab lassen als evangelikanische Exulantin.«
Der Hiesel Schneck, dem der himmelwärtsstrebende Schnauzer sonderbar zu zittern anfing, hob zuerst sprachlos die geballten Fäuste gegen das Frühlingsblau hinauf und verzog das schmerzhafte Maul bis zu den Ohren. Dann fuhr ihm aus der verzweifelten Seele eine langschwänzige Höllementskreatur heraus. Diesem Fluchgeprassel folgte die weinerliche Klage: »Du Narrenkapp ohne Bändel! Du Feiertagsschmarren ohne Schmalz! Du alte Fuierbüx ohne Zündloch! Hast du denn um Gottswillen nit ein bißl Verstand unterm Kuferdeckel!« Weil die Schneckin bitterlich zu heulen anfing, wurde der Hiesel etwas sanfter. »Weibl, so geht's nit! So kommen wir zwei unser Lebtag nimmer auf gleich. Kreuzteufelundkruzi –« Kummervoll erwischte er den Himmelhund, der aus ihm herausfahren wollte, beim Schwanz und verschluckte ihn wieder. »Verstehst du denn nit? So was von Füreiligkeit! Du bei die Evangelikanischen drent! Und ich seit halber Zwölfe wieder der beste Katholik! Wir zwei, wir bleiben doch allweil grabenweit auseinander, wenn sich nit eins mit der Gottsfreudigkeit ein bißl zruckhalten kann. Verstehst?«
Die Schneckin hatte verstanden. Drum flossen ihre Tränen so reichlich, daß dem Hiesel das Erbarmen in die wirblige Seele tröpfelte. »Geh, deswegen mußt du nit so grausam röhren! Es gibt auf der Welt kein Narrenstückl, das man nit wieder aufpolieren könnt.«
Mit nassen Augen guckte sie hinauf zu seinem zitternden Schnauzer. »Meinst, ich soll mich gleich wieder ausstreichen lassen?«
»Ausstreichen? Was? Du Roß ohne Schweif! Da müßt sich der Kommissar was Nobels denken von dir. Der tät doch sagen: du bist ja wie 's Wetterweibl um Ostern, bald drin im Häusl, bald wieder draußen. Ah na! So soll mir keiner nit reden von meiner Schneckin. Verstehst? Ich bring die Sach schon wieder auf gleich. Der Hiesel kann's machen, wie er mag. Da lachen die kommissarischen Schöpsnasen und sagen halt wieder auf französisch: Tätewoh! Meintwegen! Ein Buckel, wie der Schneckische, vertragt's.«
Den Hut lüftend, als wäre ihm schwül geworden unter dem struppigen Haardach, surrte der Hiesel Schneck, eine Perlenkette neuartig gelöckelter Himmelhunde drechselnd, hinüber zur Kommissariatskanzlei. Die Schneckin konnte nur neun Vaterunser beten, da war der Hiesel schon wieder da. »So, Weibl! Jetzt hat der Schmarren wieder sein Schmalz. Jetzt soll's auf der Welt kein' bessern Evangelikaner nimmer geben, als wie der Hiesel Schneck einer ist. Verstehst?« Trotz aller Ruhe, mit der sich der Hiesel aufspielte, schien doch ein böses Gewissenswürmchen an seiner Seele zu nagen. Jählings erblassend zog er sein Weibl mit sich fort, so flink, daß die Schneckin das Aussehen einer schiefen Zappelfigur bekam. Und das geschah aus keinem anderen Grunde, als weil der Hiesel Schneck den heitergestimmten Landrichter in amtlicher Begleitung aus dem schattigen Stiftstor heraustreten sah in die Sonne.