»Nicht? Das hast du nicht gemerkt? Hör, Lo, dann bist du aber auch eine von denen, die sehen können und doch blind sind!«

Längst schon waren die beiden im dunklen Schatten des Waldes verschwunden, und immer noch stand Ettingen über den Zaun gelehnt. Eine Weile hörte er noch die Stimmen der Männer aus dem Tal herauf. Dann verstummten auch die. Nur der Wildbach rauschte dort unten, sanft und heimlich, durch den Wald gedämpft. Stille Sonne über dem Almfeld, über den Hüttendächern und allen Bäumen. Ein paar silberne Fäden flogen, und schwärmende Insekten huschten gleich winzigen Funken durch die blaue Luft.

Plötzlich ging ein Dröhnen durch das Tal hin, wie von einem mächtigen Donnerschlag mit rollendem Echo.

Erstaunt sah Ettingen zum wolkenlosen Himmel auf. Da gewahrte er, daß über dem Wildbach drüben, am Fuß der steilen Hochwand, brauner Staub in dichten Wolken aufwirbelte. Ein Stück der Felswand hatte sich gelöst und hatte eine Zunge des sonnigen Waldes unter Schutt begraben.

»Wie das kommen kann? Die Zerstörung, mitten in der Stille, in friedlicher Sonne?« Ernst nickte Ettingen vor sich hin, während da drüben der Staub verdampfte. »Das Schweigen im Walde!— Ja! So redet dieses Bild. Sie hat recht gesehen.«

Die Küchenmagd, der Lakai und die Köchin kamen aus dem Haus gerannt, um zu sehen, was es gegeben hätte. Nur drunten bei der Sennhütte und bei dem Jägerhäuschen zeigte sich niemand. Da trieb die Neugier oder die Sorge keinen vor die Tür. Die waren es gewöhnt, daß das so kommt, so plötzlich. Drum hörten sie es kaum.

Kluibenschädl, der sich auf die Matratze gestreckt hatte, um seinen Schwips zu verschlafen, fragte gähnend: »So? Hat's wieder kracht?«

»'s wird halt a Trümml abigfallen sein!« meinte Pepperl in seinem Trauerwinkel und fügte mit philosophischem Seufzer bei: »Auf d' Letzt muß alles abi!«