»Gute Nacht, Pepperl!«

Nun streckte auch Ettingen sich bequemer aus und verschränkte die Hände unter dem Nacken. So blickte er zu den ziehenden Wolken auf, deren Rot immer blasser wurde, bis sie weißlichen Glanz bekamen.

Als hätte, was er fühlte und sann, nicht Raum in seinem Innern, und als müßt es heraus an den Tag, so flüsterte er lächelnd vor sich hin: »Lo!— Meine Lo!«

Tief atmend, mit diesem Lächeln auf den Lippen, schloß er die Augen, weil ihn der silberne Glanz der Wolken blendete.

Stille. Träumende Sonnenstille.

Kaum hörbar fächelte der laue Wind um die Almrosenbüsche mit ihren halb verwelkten Blüten, machte die Blätter zittern und rollte die abgefallenen Blütenkelche spielend über das kurze Gras.

Langsam zogen die weißen Wolken im Blau, sammelten sich immer dichter und hüllten schon die höchsten Spitzen ein. Doch immer fand die Sonne zwischen Nebel und Gewölk noch eine Gasse für ihre Strahlen.

Es war schon Mittag vorüber, als die beiden aus ihrem wohligen Sonnenschlaf erwachten. Sie stiegen über den Berghang hin und hielten Einkehr im Steinernen Hüttl, in einer aus groben Felsblöcken gefügten Sennhütte. Da gab es freilich nur Milch und grobes Brot mit frischer Butter, aber die beiden spürten einen Hunger, der mit allem zufrieden war.

Während sie neben der Sennhütte auf dem Rasen kauerten, jeder mit der Milchschüssel auf den Knien, fragte Ettingen: »Praxmaler? Sie sind heute nicht wie sonst. Was ist denn los mit Ihnen?«