Raschen Ganges wanderten die beiden durch das lange Tal. Sie waren schon eine Stunde unterwegs, und der Morgen wurde nicht heller. Wohl klüftete sich manchmal der ziehende Nebel und gab ein Stück der düsteren Wände frei, doch alle Höhen blieben von dunklem Gewölk umlagert. Aus den wehenden Dünsten ging ein dünnes Geriesel nieder, bei dem sich alles wie mit feinem Tau beschlug; und alle Geräusche waren gedämpft: das Rauschen des Baches, die schreienden Stimmen, die man irgendwo in der Ferne von den Almen hörte, und das Geläut und Brüllen der Rinder, die heut in solcher Unruh waren wie nach einem Schneefall, der alles Grün bedeckt.

Immer sorgenvoller wurde das Gesicht des Jägers. Seinen Herrn aber schien das unfreundliche Bild der Landschaft nicht zu verstimmen. Der wanderte immer zu, versunken in stille Gedanken, mit diesem träumenden Lächeln, mit diesem Leuchten in den Augen.

Schon ein paarmal hatte Praxmaler verwundert umhergeguckt. »A gspaßiger Nebel! Der riecht ja wie der Dampf, der von der Kohlstatt kommt!«

Und was war das für ein Rauschen, fern in der Höhe? Sie hatten noch eine Wegstunde bis zum See, da konnte man doch den Wasserfall des Seebaches noch nicht hören? Und waren denn die Leute auf der Sebenalm verrückt geworden? Sie schrien, daß man's auf eine halbe Stunde weit hören konnte! Nun kamen ein paar Kühe in wilder Flucht gerannt. Und im Wald ein Laut, der den Jäger ganz verblüfft machte: der Pfiff einer Gemse. Das begriff er nicht. Gemsen hier unten im Talwald? So tief steigen sie nicht einmal herunter im schwersten Winter!

»Herr Fürst! Ich weiß net, heut muß was los sein! Da saust a Rudel Gams durch'n Wald. Wie kommen denn die Gams da runter?«

Ettingen drängte mit Ungeduld: »So lassen Sie doch die Gemsen! Ich will nicht jagen heut!«

»Net jagen?« Das war für Pepperl von allen Wundern dieses Morgens das größte. »Ja sakra, warum steigen wir denn nacher auffi zum See?«

Er bekam keine Antwort. Und da machte sein Scharfsinn einen Gedankensprung. »Ah, da schau!« Hatte nicht gestern der Förster erzählt, er hätte das Malerfräulein zum Sebensee hinaufreiten sehen? Und hatte der Fürst nicht gleich darauf gesagt: »Pepperl, morgen machen wir eine Pirsche zum Sebensee?« Er dachte an jenen Morgen im Blumengarten des kleinen Seehauses, dachte an die drei Hirsche im Geißtal, die ihr Leben dem Malerfräulein zu danken hatten, dachte an jene Gewitternacht in der Waldstube dort oben — und dem Praxmaler-Pepperl ging ein Licht auf. »Ah, da schau!« Schmunzelnd musterte er seinen Herrn. Jetzt verstand er auch das Wort von der Sonne, die heute scheinen würde. »Dös glaubst! Die hat freilich Sonnschein in die Äugerln! Da kann der Nebel so dick sein, wie er mag!«

Ein sausender Windstoß riß die grauen Dünste entzwei, und man sah den steilen Tejakopf von einer schwarzen Wolke umlagert.

»Duhrlaucht! Schauen S' da auffi! Was is denn dös für a Gwölk? So pechschwarz kann doch kein Wetter net aufziehen?«