Der Senn wollte rennen, doch Ettingen hielt den Arm des Mannes umkrampft.
»So lassen S' doch aus, Herr!« keuchte der Senn. »Ich muß ja um d' Leut!«
Ettingen rang nach Worten. »Gibt es noch einen Weg —«, die Stimme brach ihm, »einen Weg durch das Feuer, zum See hinauf?«
»Kein' nimmer! 's ganze Seetal is zu mit Fuier! So lassen S' doch aus!« Gewaltsam befreite der Senn seinen Arm und rannte, mit keuchender Stimme betend: »Vater, Vater unser, der du bist im Himmel —« Er verschwand im Nebel. Und Ettingen umklammerte den Ast einer Fichte, als müßte er eine Stütze haben, um sich aufrecht zu halten. Dem Jäger schossen die Tränen in die Augen, als er dieses verstörte Gesicht sah, diesen verzweifelten Blick.
»Jesus! Herr Fürst!«
Ettingen erwiderte keinen Laut. Seine Glieder streckten sich, als wären sie Stahl geworden. »Komm!«
Wortlos eilten sie durch den Wald hinauf und erreichten das Almfeld. Hier lag der Nebel nicht mehr so dicht wie im tieferen Tal. Man sah die Leute, die mit Geschrei umherrannten, um die scheugewordenen Kühe einzufangen — man sah den Wald und über seinen Wipfeln den schwarzen, von trübem Feuerschein durchflackerten Qualm, der von Wand zu Wand die ganze Breite des Seetals füllte.
Mit brennenden Augen spähte Ettingen durch die Schleier des Nebels. »Nein! Da gibt es keinen Weg mehr! Nicht durch den Wald hinauf!« sagte er mit erloschener Stimme. »Aber einen anderen gibt es! Sie muß sich vor dem Feuer geflüchtet haben, in die Felsen hinauf! Dort müssen wir sie finden! Wir müssen!« Er eilte den steilen Latschengehängen zu, gegen den Tejakopf, dessen gewaltige Felsenmauer zwischen dem Prantlkar und dem brennenden Seetal aufstieg und in schwarzem Rauchgewölk verschwand.
Erschrocken lief der Jäger seinem Herren nach. »Mar und Joseph! Duhrlaucht! Wo wollen S' denn hin?«
»Hinauf! Dort hinauf! Durch das Prantlkar und über den Paß — den Weg, den wir neulich gingen, als das Gewitter kam — und die schöne Nacht!«