»Da müssen wir links durch'n Wald und von drunt her auffi!«
»Nein! Ich sehe einen Weg ins Kar, der näher ist. Dort hinauf!« Ettingen deutete nach den Latschenbändern, die schräg über die Felswand emporkletterten gegen die Höhe des Kars. »Da sparen wir eine Stunde!«
Praxmaler wischte sich den Schweiß von der Stirn und stammelte: »Um Gottswillen, Duhrlaucht! Da steig ja ich kaum durch. Sie kommen net auffi!«
»Ich muß hinauf!« Ettingen hatte schon den Latschenhang erreicht und begann zu klimmen.
Ohne Widerrede legte der Jäger alles ab, was er trug, die Büchse, den Rucksack, die beiden Wettermäntel — jetzt brauchte er freie Arme, denn er wußte, daß es um das Leben seines Herrn ging.
Sie kamen zum Fuß der Felswand und begannen zu klettern, wortlos, Ettingen immer voran. Mit Sausen stürzten unter seinen Tritten die Steine in die Tiefe — er hatte keinen Blick für sie, seine Augen suchten immer die Höhe. Nie bedurfte er der Hilfe des Jägers, und wenn Praxmaler ratlos innehielt, fand Ettingen immer wieder eine Schrunde im Gestein, einen Tritt, der ihn höher brachte, so rasch, daß der Jäger Mühe hatte, sich dicht hinter seinem Herrn zu halten.
Als sie die Kuppe der Wand erreichten, sah Praxmaler in die schwindende Tiefe, die hinter ihnen lag, und bekreuzte sein Gesicht.
Nur eine kurze Strecke hatten sie noch zu steigen, weniger mühsam, und dann kam über Griesfelder und Latschenrücken ein ungefährlicher Weg in das Kar.
Der Nebel begann sich langsam zu heben. Von der Höhe, auf der die beiden waren, konnten sie den Eingang des brennenden Tales überblicken. Zwischen Qualm und Dämpfen sah man die flammenden Bäume. Auf weite Strecken war der Grund schon kahlgebrannt; bald erschienen diese Stellen grau, bald wieder, wenn der Wind die Asche verwehte, waren sie verwandelt in rote Glut. Und die Flammen der Bäume, Rauch und Qualm, die Aschenwolken, alles strebte in jagendem Winde hinauf, dem See entgegen.