Sie begannen den Heimweg und wanderten langsam durch das von Rauch überschleierte Kar hinunter. Ettingen hielt die Hand der Geliebten in der seinen und schmiegte stützend den Arm um ihre Hüfte. Immer suchte er den besten Weg für sie. Lag ein Stein im Pfad, so schob er ihn mit dem Fuß beiseite. Sie sprachen nicht. Was ihre Herzen erfüllte, war zu übermächtig für Worte. Nur ihre Augen suchten sich immer wieder und redeten mit stillem Lächeln. Während sie so hinunterschritten ins Tal, war in ihren Seelen ein Aufwärtssteigen, empor zur Sonnenhöhe des Glückes.

Eine Stunde waren sie schon gewandert, als sie Stimmen hörten.

Lo verhielt den Schritt. »Menschen?« Das sagte sie, wie aus einem Traum erwachend, wie verwundert und erschrocken über die Wirklichkeit des Lebens, dessen Laute ihr entgegenschollen. Da tauchten auch wieder die Bilder der vergangenen Nacht vor ihren Augen auf. Und stammelnd fragte sie: »Mazegger? Ist er gerettet?«

Ettingen erschrak. »Mazegger?« Und betroffen sah Praxmaler den Fürsten an.

»Er wollte nach Ehrwald. Als das Feuer ausbrach, kam er, um mich zu warnen. Er nahm einen anderen Weg, durch den brennenden Wald —« Das Grauen der Erinnerung machte sie zittern. »Ist er gerettet?«

»Ja, Lo!« sagte Ettingen und tauschte einen Blick mit dem Jäger.

Da lächelte sie erleichtert, als wäre der letzte Schreck der überstandenen Nacht von ihrer Seele gelöst.

Schreiend kamen ihnen die Leute entgegen. Es waren Senner und Holzknechte, die den Paß übersteigen wollten, um droben in den Felsenkaren des Seetals nach dem Jungvieh zu suchen. Der Jäger flüsterte ihnen eine Frage zu. Sie schüttelten den Kopf, schrien durcheinander und eilten weiter.

Eine erregte Stimme rief durch das Tal herauf: »Heinz? Bist du's?« Dort unten im Latschenfeld erschien Graf Sternfeldt mit dem Förster.

»Ja, Goni!« gab Ettingen mit lautem Ruf zur Antwort. »Wir kommen!«