Burgi drückte die Fäuste auf ihre Brust. »Du heilige Mutter im Himmel, ich sag dir Vergeltsgott! Und a Kerzl sollst kriegen, so lang wie meim Pepperl sein Bergstock!« Dann fing sie wieder zu rennen an, und die grundlose Angst, die sie ausgestanden hatte, löste sich in ein Schluchzen verrückter Freude.
Die Stimmen und Schritte verhallten. Schweigen lag wieder im Wald. Kein Windhauch regte sich, kein Wipfel schwankte. Grau und unbewegt hing die glatte Nebeldecke über den Bäumen, die Felswände verhüllend. Gegen Westen lag es wie schwarzes Sturmgewölk über den Ehrwalder Bergen. Gegen Osten schimmerte es zuweilen mit weißlichem Glanz durch die trüben Dünste, als wäre dort irgendwo die Sonne, die den grauen Schleier durchbrechen wollte.
Manchmal tönten im Schweigen des Tillfußer Waldes verworrene Menschenrufe aus weiter Ferne. Dann war's wieder still.
Sichernd zog ein Rudel Hochwild über den Weg, scheu hinauswindend gegen den Sebenwald. Und lautlos trat es wieder in den stummen Forst.
Hoch in den Wipfeln schlug eine Ringdrossel. Schnalzend kam sie auf den Weg geflogen und begann ihre Käferjagd im feuchten Gras. Nun hob sie das Köpfchen und flatterte davon.
Langsam kamen Heinz und Lo durch den Wald einhergegangen. Wo die Drossel aufgeflogen, blieben sie stehen, als hätte der gleiche Gedanke ihren Fuß gebannt: die Erinnerung an jenen Abend, an dem sie einander zum erstenmal im schweigenden Walde begegnet waren.
»Sieh, Lo! Dort oben war's!«
Sie nickte und schmiegte sich enger an ihn. So standen sie lang und blickten hinein in die Dämmerung, die trotz der Mittagsstunde zwischen den stillen Bäumen lag.
Die Drossel schlug.