»Auch von denen. Wer mißtrauisch ist, begeht ein Unrecht gegen andere und schädigt sich selbst. Ich glaube, daß wir die Pflicht haben, jeden Menschen für gut zu halten, solang er uns nicht das Gegenteil beweist.«

»Das ist eine warme und schöne Lebensregel.«

»Nur eine selbstverständliche, eine, die keiner entbehren kann, der am Verkehr mit den Menschen Freude haben will.«

»Ja, Fräulein, Sie haben recht! Im Grunde genommen denke auch ich nicht anders, nein, trotz allem nicht!« Es ging wie ein trüber Gedanke über seine Stirn. Gleich wieder lächelte er. »Und ich hörte das gerne von Ihnen sagen. Nun weiß ich doch, daß Sie auch mich für gut halten. Oder nicht?«

Sie hob das Gesicht, als hätte ihr diese Frage nicht gefallen. »Ich wüßte nicht, womit Sie mir das Gegenteil bewiesen hätten.«

»Vielleicht durch die unbescheidene Hartnäckigkeit, mit der ich mich hier festgesetzt habe?«

»Das beweist nur, daß es Ihnen hier gefällt.«

Der letzte Bergschatten, der noch auf einzelnen Beeten gelegen, war über die Hecke zurückgewichen, und Hütte und Gärtchen lagen in voller Morgensonne. Der Wind war still geworden, und in den Wipfeln des Harfenbaumes schwiegen die Glocken. Man hörte nur noch den Wasserfall, der fern in der Tiefe rauschte, und das leise Gesumm der wilden Bienen, die von überall zu den blühenden Beeten geflogen kamen und gleich schwirrenden Funken die sonnige Luft durchschnitten.

Da brachte der Bub die zum Überlaufen gefüllte Wasserkanne. »So, Fräuln, da bin ich schon wieder!«