»Sie haben sich einen tüchtigen Sonnenstich geholt. Auf der Nase und auf den Wangen geht Ihnen die Haut schon los. Wenn Sie noch einen weiten Heimweg in der Sonne haben, wird die Sache schlimm werden. Dagegen müssen Sie was tun. Warten Sie —«
Während Ettingen verblüfft zurückblieb, eilte sie in die Hütte und brachte eine kleine Schatulle und ein Spiegelchen in dünner Goldleiste. »Hier! Sehen Sie sich einmal an!«
Zögernd nahm Ettingen den Spiegel, und kaum hatte er einen Blick in das Glas geworfen, als er mit drolligem Entsetzen ausrief: »Ach, du lieber Himmel, was hab ich für ein Gesicht! Wie Zinnober, so lieblich!« Er lachte. Aber daß er nun so vor ihr sitzen mußte, das schien ihm nicht angenehm zu sein. »Ich bitte Sie, Fräulein — daß ich den Schaden habe, merk ich —, ersparen Sie mir wenigstens den Spott und lachen Sie mich nicht aus!«
»Auslachen? Im Gegenteil, ich weiß doch selber, wie das tut.«
»Das Ausgelachtwerden?«
»Nein, der Sonnenstich! Ich bin wohl an Hitze wie an Kälte gewöhnt. Aber wenn ich oft lange Stunden in der Mittagsglut sitze und arbeite, erwischt es mich auch noch manchmal. Aber ich weiß, was hilft dafür. Und dann ist's am anderen Tag wieder gut. Hier, nehmen Sie!« Sie hatte aus der Schatulle ein kleines Holzbüchschen mit weißer Salbe und frische Watte ausgekramt. »Das wird Ihnen gleich die Schmerzen lindern. Kommen Sie, ich will Ihnen den Spiegel halten.«
Er sah verlegen zu ihr auf. »Aber ich bitte, liebes Fräulein, ich kann doch unmöglich —«
»Was können Sie nicht?«
»Hier vor Ihnen die Toilette meiner Schmerzen machen und mich einsalben!«
»Warum denn nicht?«